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24.12.2011

14:20 Uhr

Kunstwerk des Jahres

Holbeins Schutzmantelmadonna - ein Jugendtraum

VonRoman Herzog

Der deutsche Unternehmer Reinhold Würth hat sich mit dem Kauf der Holbein-Madonna nicht nur einen Traum erfüllt, er lebt damit auch das Grundgesetz - und den Satz „Eigentum verpflichtet.“

Ausschnitt der Schutzmantelmadonna von Holbein, entstanden um 1525. dpa

Ausschnitt der Schutzmantelmadonna von Holbein, entstanden um 1525.

Nicht viele Unternehmen haben einen Entstehungsmythos wie die Würth-Gruppe in Gaisbach beim baden-württembergischen Künzelsau und dazu noch das Glück, dass dieser Mythos schlicht auf Wirklichkeit beruht. Die Gruppe ist praktisch aus dem Nichts entstanden. Heute ist sie nicht nur eines der deutschen Vorzeigeunternehmen, sondern ein weltumspannender Konzern, und das alles ist in der Lebensspanne eines einzigen Mannes entstanden, eben des Unternehmers Reinhold Würth.

Noch nicht 20-jährig, wurde er mit der Frage konfrontiert, ob er seinen Neigungen nachgehen wolle, die schon damals in Richtung Kunst wiesen, oder ob er, familiärer Pflicht folgend, den kleinen Laden übernehmen wolle, den sein überraschend verstorbener Vater erst kurz zuvor gegründet und nun verwaist hinterlassen hatte. Kein Mensch hätte es ihm verdenken können, wenn er sich der Pflicht entzogen hätte – immerhin bestand das ganze Geschäft aus einem Gesellen und einem Lehrling und kann nicht allzu viel Aussicht auf Erfolg versprochen haben.

Aber Reinhold Würth stellte sich der Herausforderung, die sich nicht zuletzt in einem firmeneigenen Leiterwägelchen manifestierte. Oft hat er seine erste Unternehmensphilosophie beschrieben: „Wenn ich schon auf meine eigenen Pläne verzichten muss, dann will ich doch aus der Firma etwas machen“.

Und er hat etwas daraus gemacht. Mit Fleiß und unternehmerischer Fantasie erhöhte er Umsatz, Bilanzsumme und Gewinn von Jahr zu Jahr. Am Ende jedes Geschäftsjahres stand als Erstes ein fest umrissenes Ziel für das folgende, das er selbst und allmählich auch seine Mitarbeiter mit einem sportlich zu nennenden Ehrgeiz tatsächlich erreichten, ja übertrafen.

Man könnte von Jahresringen sprechen, die das Unternehmen alljährlich ansetzte – doch damit ginge verloren, dass es ja nicht in die Breite, sondern in die Höhe ging, und so ist wohl das Bild der Pyramide treffender, die sich selber Schicht um Schicht hinzufügt, bis die Spitze erreicht ist: größter Unternehmer, Arbeitgeber und Steuerzahler in einer Region, die so etwas noch nie erlebt hat, und daneben ein Weltunternehmen.

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