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18.02.2003

08:12 Uhr

Kurden sorgen sich um ihre Autonomie

Exil-Iraker bereiten sich auf Regimewechsel vor

VonMarkus Ziener

Ungeachtet des Tauziehens vor der Uno bereitet sich die irakische Exil-Opposition weiter auf die Zeit nach dem Sturz des irakischen Diktators Saddam Hussein vor. Zahlreiche Gruppierungen wollen sich auf einer Konferenz auf irakischem Boden, die noch in dieser Woche stattfinden soll, auf eine provisorische Führung einigen.

TEHERAN. Zu der Versammlung, die in der Stadt Arbil im von Kurden kontrollierten Gebiet des Nordiraks stattfinden wird, werden mehrere hundert Teilnehmer und Beobachter erwartet.

Viel wird allerdings davon abhängen, ob auch der von den USA eingesetzte Sonderbeauftragte für die irakische Opposition, Zalmay Khalilzad, zu dem Treffen erscheinen wird. Washington hatte auf die Absicht, eine weitere Konferenz abzuhalten, zunächst zurückhaltend reagiert. Die USA wollen den Eindruck vermeiden, das Schicksal des Landes werde unter Ausschluss der Iraker im Kernland entschieden.

Erst im Dezember hatten die oppositionellen Gruppen in London ein 65-köpfiges Komitee bestimmt, in dem Fragen der Zukunft des Iraks behandelt werden sollen. Die Opposition genießt bei ihren Aktivitäten die Zustimmung der iranischen Regierung. Ende Januar hatte der Sprecher einer der größten Oppositionsverbände, Ahmed Chalabi vom Irakischen Nationalkongress (INC), Teheran als Plattform benutzt, um dort seinen Umzug nach Arbil in Kurdistan anzukündigen.

Allerdings wurde Chalabi, der seit Jahrzehnten im britischen und amerikanischen Ausland lebt, in der Vergangenheit mehrfach vorgeworfen, über die Entwicklungen im Land nicht mehr informiert zu sein. Der ehemalige Banker genießt die Rückendeckung des Pentagon und sieht sich als Schlüsselfigur in einer künftigen irakischen Führungselite. Chalabi bestätigte, dass sein exklusives Hauptquartier in Teheran mit Geldern des amerikanischen State Department finanziert wird.

Iran praktiziert seit langem die Politik, nahezu sämtliche irakische Oppositionsgruppen zu unterstützen. So lebt der Kopf der schiitischen Oppositionsbewegung SCIRI, Ayatollah Mohammed Bakr al-Hakim, seit über 20 Jahren im Iran. Seine mehrere Tausend Männer umfassenden Truppen werden von iranischen Ausbildern trainiert. Die kurdischen Parteien haben Teile ihrer logistischen Basis ebenfalls auf iranischem Boden. Die Regierung unter Präsident Mohammed Chatami hält zu den Exil-Irakern nach außen indes Distanz. Es handele sich um "Durchreisende", so die offizielle Sprachregelung.

Eines der zentralen Themen auf der Konferenz dürfte das Schicksal Kurdistans sein, sollte es zu einem Krieg kommen. In jüngster Zeit hatten Berichte für Unruhe gesorgt, die US-Regierung habe sich unter der Hand bereits mit der Türkei über den Status des Kurdengebiets im Norden des Iraks verständigt. "Das ist es, was uns ernsthaft Sorgen macht", sagt Ibrahim Pirot, Vertreter der Demokratischen Partei Kurdistans (KDP) in Teheran. "Es könnte sein, dass türkische Truppen einmarschieren - und dann dort bleiben."

Die Kurden setzen inzwischen ihre Hoffnung, ihre weitgehende Autonomie im Nordirak bewahren zu können, auf die Ambitionen der Türkei, in die Europäische Union aufgenommen zu werden. Eine dauerhafte Präsenz der Türken im Irak dürfte sich kaum mit den EU-Vorstellungen vom Völkerrecht vertragen.

Die beiden Provinzen Arbil und Suleymaniyah im Nordirak liegen weitgehend innerhalb der von den USA und Großbritannien überwachten Flugverbotszone nördlich des 36. Breitengrades. Seit Ende des Golfkrieges um Kuwait hat sich dort eine Art kurdischer Autonomie etabliert, deren Freiheiten die Bevölkerung inzwischen zu schätzen gelernt hat. Arbil steht dabei unter der Kontrolle der KDP, das südöstliche Suleymaniyah verwaltet die Patriotische Union Kurdistans (PUK). Ihre beiden Chefs, Massud Barzani (KDP) und Jalal Talabani (PUK), haben nach jahrelangem Streit einen Burgfrieden geschlossen.

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