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29.01.2002

20:30 Uhr

Kursbarometer behaupten sich nur kurzfristig

Schwache Nasdaq zieht den Neuen Markt ins Minus

VonANNA TRÖMEL

Nach einem stabilen Handelsauftakt ist das Wachstumssegment der Deutschen Börse am Dienstag deutlich abgerutscht. Der Nemax verlor fast im Gleichklang mit den Standardwerten 1,4 Prozent auf 1 106 Punkte, der Auswahlindex Nemax 50 gab sogar 1,9 Prozent auf 1 148 Zähler nach.

FRANKFURT/M. Die wackelige Seitwärtsentwicklung am Neuen Markt hält an. Am Dienstag sah es zunächst so aus, als ob sich die Kursbarometer zumindest behaupten könnten. Dann wurde der Handel an der New Yorker Technologiebörse Nasdaq eröffnet. Der dort herrschende Abgabedruck brachte auch hier zu Lande die Kurse auf Talfahrt. Der Index der Internetwerte, seit vergangenem Oktober deutlich auf Erholungskurs, konnte sein Plus ebenfalls nicht bis in den Abend hinein verteidigen, sondern rutschte um beinahe einen halben Prozentpunkt ins Minus. Auch die Aktien des Schwergewichtes T-Online, anfänglich noch deutlich im Plus schlossen am Ende knapp 0,4 % im Minus bei 12,70 Euro.

Wie so häufig war die Nachricht von Entlassungen auch gestern wieder positiv für den Aktienkurs. Der Call-Center-Betreiber Camelot entlässt die 74 Mitarbeiter seines Münchener Standortes. Das defizitäre Unternehmen will sich künftig auf die vier Standorte in Frankfurt, Berlin, Krefeld und Münster konzentrieren. Dieser Entschluss ist ein Bestandteil eines Sparprogramms, von dem sich Camelot eine erhebliche Reduktion der Fixkosten verspricht. Das Unternehmen, das seit November mehrheitlich zur österreichischen CLC gehört, wurde von den Anlegern dafür mit einem Kursplus von satten 10 % belohnt. Die 74 Mitarbeiter müssen sich wohl zum 1. April einen neuen Job suchen.

Nur wenig Wirkung auf die Kurse zeigte dagegen die Entscheidung des Oberlandesgerichtes Frankfurt, das die Einstweilige Verfügung der Berliner Foris AG gegen den geplanten Ausschluss von Billigst-Aktien vom Neuen Markt zurückwies. Die Foris-Aktie notierte zum Schluss mit 2,47 Euro sogar 2,5 % im Plus. Unter den Verlierern waren allerdings auffällig viele Penny Stocks: Die Aktie der insolventen M+S Elektronik AG verbilligten sich um knapp 14 % auf 0,32 Euro. Cybernet gaben 11,5 % auf 0,46 Euro nach und Metabox verloren sgar fast 14 % auf 0,50 Euro.

Auch der Pleitekandidat Kinowelt stand auf der Verliererseite. Wegen des Verlusts aller drei Betreuerbanken und erhoffter Einsparungen in Millionenhöhe hat das Medienunternehmen angekündigt, zum 25. Februar in den Geregelten Markt zu wechseln. Die BHF-Bank, die Hypo-Vereinsbank und das Bankhaus Sal. Oppenheim hatten sich nach der Anmeldung der Insolvenz im Dezember zurückgezogen. Der Abschied vom Neuen Markt erspare Kinowelt jährlich zwischen ein und 2 Mill. Euro, sagte eine Unternehmenssprecherin. Die mit rund 400 Mill. Euro verschuldete Kinowelt hatte nach geplatzten Verhandlungen über ein Sanierungskonzept Insolvenz angemeldet. Die Hoffnung auf ein Happy-End ist wohl endgültig dahin: Der Kurs verlor mehr als 7 % auf 0,26 Euro.

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