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08.04.2003

08:17 Uhr

Kurse von Unternehmensbonds sind seit Oktober deutlich gestiegen

Experten favorisieren Telekomanleihen

VonRalf Drescher

Die Anleihen von Unternehmen haben sich in diesem Jahr gut entwickelt und ihre im vergangenen Herbst begonnene Rally fortgesetzt. Inzwischen halten einige Experten viele Firmenbonds aber für zu teuer. Einhellig optimistisch sind sie nur bei Telekomanleihen. Bei Autoanleihen dagegen raten viele Fachleute zur Vorsicht.

DÜSSELDORF. Das Interesse der Investoren an Unternehmensanleihen wächst. Die auch Corporate Bonds genannten festverzinslichen Wertpapiere von Firmen gelten als sicherer als Aktien, bieten aber höhere Renditen als risikolose Staatsanleihen. Die Kurse vieler Unternehmensanleihen sind inzwischen stark geklettert. Der überwiegende Teil der Bonds notiert deutlich über dem Nennwert von 100 %. Einige Papiere werden gar zu Kursen über 110 % gehandelt.

Wenn die Kurse von Anleihen steigen, sinken ihre Renditen. Bei Unternehmensanleihen verringern sich damit auch die Renditeaufschläge (Spreads) im Vergleich zu Staatsanleihen. Derzeit bieten Corporates im Schnitt 1,13 Prozentpunkte mehr Rendite als Staatsbonds. Anfang Oktober lag der Spread gemessen am FTSE-Corp-Top- Index noch bei 1,84 Prozentpunkten. "Dabei hat sich an der fundamentalen Situation nicht viel getan", sagt Uwe Burkert, Rentenanalyst bei der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW). Von daher rät er dazu, bei Corporates Gewinne mitzunehmen.

Angesichts des schwierigen konjunkturellen Umfeldes und der mäßigen Ertragslage vieler Unternehmen hält Burkert die Spreads für zu gering. "Verglichen mit den Rating-Niveaus der Firmen sind solch niedrige Aufschläge nicht angemessen", sagt er.

Auch die Bayerische Landesbank sieht die weitere Entwicklung der Unternehmensanleihen skeptisch. In einer Studie empfiehlt sie eine defensive Investmentstrategie, solange die Unsicherheit über den Fortgang des Irak-Kriegs und über die zukünftige wirtschaftliche Entwicklung anhält. Die Strategen der Bank rechnen damit, dass die Spreads wieder steigen werden. Dabei könnten sich dann interessante Kaufgelegenheiten bieten.

Optimistischer ist Claus Huber, Rentenanalyst in der Abteilung Anlagestrategie für Privatkunden bei der Deutschen Bank. "Die Beruhigung an den Aktienmärkten wird auch den Corporates weiteren Schwung geben", sagt er. Zudem seien die Firmen durch den Druck der Ratingagenturen gezwungen, ihre Bilanzen zu säubern und die Schulden zu reduzieren. "Das wird die Kreditqualität insgesamt erhöhen", erwartet Huber. Auch Thorsten Weinelt von der Hypo-Vereinsbank sieht Chancen für Unternehmensanleihen: "Auf Grund der Fortschritte im Irak sind die Risiken geringer geworden." Deshalb hält er Corporates auch jetzt noch für attraktiv. Zwar sei es zu früh, um für den gesamten Markt eine Empfehlung auszusprechen, einige Branchen böten aber gute Chancen, allen voran der Telekommunikations-Sektor.

"Obwohl Telekomanleihen in den vergangenen Monaten schon gut gelaufen sind, sehen wir noch Potenzial", sagt Weinelt. "Fundamental befindet sich der Sektor auf einem guten Weg. Die Unternehmen schauen mehr auf den Schuldenabbau, und der Druck auf die Ratings hat abgenommen". Weinelt empfiehlt Bonds von Deutscher Telekom und France Télécom, aber auch von Telecom Italia, die zuletzt etwas unter der Fusion mit Olivetti gelitten haben, zum Kauf. Außerdem hält er defensive Werte wie die Versorger RWE oder Eon für aussichtsreich.

Für Telekomwerte und Versorger kann sich auch Burkert von der LBBW - aller Skepsis zum Trotz - begeistern. Gerade bei Telekoms sieht er Chancen. Deren vergleichsweise niedrige Bonitätsbewertungen seien auf Grund der höheren Sensibilität der Unternehmen für die Schuldenproblematik nicht mehr gerechtfertigt: "Die Ratings der Telekoms sollten sich langfristig denen von Versorgern annähern, dann wären Anleihen des Sektors ein klarer Kauf", sagt Burkert. Aktuell liegen die Telekom-Ratings im Durchschnitt bei BBB, während Bonds von Versorgern mindestens mit A benotet werden. Erste Anzeichen für eine Besserung gibt es bereits. Bei Standard & Poor?s (S&P) gilt eine Hochstufung von France Télécom (FT) als wahrscheinlich. Dabei werde das Rating, zurzeit BBB-, aber zunächst im Dreifach-B-Bereich bleiben.

Wesentlich skeptischer sind Experten dagegen bei Autobonds. "Viele Anzeichen deuten darauf hin, dass es am wichtigen US-Markt einen Einbruch geben wird", sagt Huber. In der Folge würden die Gewinne der Konzerne zurückgehen, die Ratingagenturen könnten ihre Bewertungen zurücknehmen und die Kurse der Bonds einbrechen.

Quelle: Handelsblatt

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