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17.03.2003

17:40 Uhr

Kurseinbrüche belasten Ergebnis

Gewinne für Allianz Leben selbstverständlich

Deutschlands größter Lebensversicherer Allianz Leben hat trotz der Kurseinbrüche an den Aktienmärkten das vergangene Jahr noch mit einem Gewinn abgeschlossen.

Reuters STUTTGART. "Natürlich haben wir schwarze Zahlen geschrieben", sagte der Vorstandsvorsitzende Gerhard Rupprecht am Montag im Interview mit der Nachrichtenagentur Reuters. Genaue Zahlen für 2002 wollte er noch nicht nennen. 2001 hatte der Stuttgarter Konzern nach Abzug der Beitrags-Rückstellungen 210 Millionen Euro als Jahresüberschuss ausgewiesen. Die Einbußen bei den Kapitalanlagen, aus denen die Lebensversicherer den Löwenanteil ihrer Gewinne speisen, dürften das Ergebnis allerdings belastet haben. Für den Allianz-Konzern, der am Donnerstag seine Zahlen für 2002 vorlegt, rechnen Analysten im Schnitt mit einem Verlust vor Steuern von 1,32 Milliarden Euro.

Trotz der realisierten Verluste bei den Aktienanlagen fühlt Rupprecht sich auf der sicheren Seite: "Allianz Leben hat immer noch auskömmliche Bewertungsreserven", sagte er. Sie überträfen auch die stillen Lasten "bei weitem". Bereits Ende 2001 waren die Bewertungsreserven der Allianz Leben auf 10,5 (2000: 17,4) Milliarden Euro zusammengeschrumpft. Im vergangenen Jahr sank der Deutsche Aktienindex noch einmal um 40 Prozent und war damit der schwächste in Europa. "Wir haben deutlich besser als der Index abgeschnitten", sagte Rupprecht. Grund dafür sei eine geschickte Anlagepolitik mit einem hohen Anteil ausländischer Papiere.

Durch die Kursverluste sei jedoch der Aktienanteil an den Buchwerten in dem 100 Milliarden Euro schweren Anlageportfolio bis Ende 2002 auf zwölf von 20 Prozent geschrumpft. "Langfristig sehen wir aber wieder einen höheren Aktienanteil", sagte der Allianz-Leben-Chef. Auch für 2003 macht sich Rupprecht selbst bei einem harten Aktienmarktumfeld keine Sorgen: "Wir haben noch genug Watte", sagte er. Den neu eingeführten Stresstest der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BAFin), der die Solidität der Lebensversicherer regelmäßig prüft, hätte Allianz Leben 2002 in jedem Quartal bestanden.

An die angesichts der hohen Kapitalanlage-Verluste vieler Gesellschaften von Experten vorausgesagte Übernahmewelle unter den rund 120 deutschen Lebensversicherungen glaubt der Chef des Marktführers nicht: "Die Konsolidierung des Marktes hat zu einem großen Teil stattgefunden", sagte er. Alle großen Konzerne aus Kontinentaleuropa seien hierzulande bereits vertreten. "Größere Merger halte ich nicht für realistisch." Die Allianz Leben habe bisher noch kein konkretes Angebot erhalten, einen Versicherer zu übernehmen. Grundsätzlich prüfe man in einer ersten Stufe den Vertrieb und die Kundengruppen. "Dann erst prüfen wir, ob sich die Sanierung des Bestands lohnt", erläuterte Rupprecht.

Im Neugeschäft setzt die Allianz-Tochter in diesem Jahr vor allem auf die betriebliche Altersvorsorge: "Der Schub kommt dort erst richtig", sagte Rupprecht. Allein die neuen Gruppenverträge für die Mitarbeiter von 20 000 Firmen sollen zu einem prozentual zweistelligen Neubeitrags-Zuwachs führen. "Insgesamt wollen wir wieder stärker als der Markt wachsen", kündigte Rupprecht an. Im vergangenen Jahr hatte Allianz Leben mit einem Neugeschäftsplus von 36 Prozent (mit den von ihr verwalteten Pensionskassen) das Marktwachstum von sieben Prozent um das Fünffache übertroffen.

Die Riester-Rente wird sich nach Rupprechts Ansicht auch in diesem Jahr noch nicht durchsetzen: "Die Erfahrung zeigt, dass solche Dinge Zeit brauchen. Bis das greift, dauert es bis ins Jahr 2004", sagte er voraus. Das System kranke an den anfangs zu geringen Beiträgen für die Alterssicherung, dem umständlichen Zulagenverfahren und den komplizierten Anträgen. "Dabei ist das Produkt selbst eigentlich leicht zu verstehen", sagte Rupprecht. Mit knapp 600 000 Riester-Policen war der Verkauf der staatlich geförderten privaten Altersvorsorge bei der Allianz - wie bei nahezu allen Lebensversicherern - 2002 weit hinter den Erwartungen zurückgeblieben.

Einer Aufgabe der Börsennotiz der Allianz Leben erteilte der Vorstandschef eine Absage: "Ob das Sinn macht, ist keine Frage", sagte er. Aber auch eine Ausweitung des Streubesitzes von neun Prozent sei kein Thema.

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