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21.01.2001

19:00 Uhr

Kursrally im Tech-Sektor trotz schwacher Quartalsergebnisse/ Neue Zinshoffnungen

Wall Street sieht das Glas als halb voll

Trotz der im Schnitt schwachen Quartalsergebnissen großer US-Unternehmen legte der Nasdaq-Index in der vergangenen Woche um 11,5 % zu. Das Sentiment scheint sich zu verbessern. Investoren sähen das Glas als halb voll und nicht als halb leer an, meinte dazu ein Analyst von Goldman Sachs.

hus New YORK. Die bisher veröffentlichten Quartalsergebnisse großer US-Firmen waren so schwach und enttäuschend wie schon lange nicht mehr. Trotzdem griffen Investoren in der vergangenen Woche vor allem im Technologie-Sektor zu. Sie sind offenbar überzeugt, dass das Schlimmste vorüber ist. Zum ersten Mal seit Wochen hat sich eine Tech-Rally über eine ganze Reihe von Tagen gehalten. Unter den traditionellen Industriewerten legten vor allem die Papiere zu, die von einer Zinssenkung besonders stark profitieren könnten.

Erwartungen prägten das Bild mehr als tatsächliche Ergebnisse. Der von hohen Schulden geplagte Telefon-Riese AT&T beispielsweise muss seine Dividenden drastisch kürzen, weil der Umsatz stagniert. Trotzdem hat die Aktie seit Jahresbeginn um fast 40 % zugelegt. Die Aktie von Exxon-Mobile dagegen hat seit 1. Januar fast 11 % verloren, obwohl der Konzern einen um 75 % höheren Quartalsüberschuss vorlegen dürfte als vierten Quartal 1999. Die Investoren rechnen sich aus, dass es bei dem führenden Erdölkonzern nicht mehr so blendend weitergehen dürfte. Bei AT&T dagegen kann es nur noch besser werden. Ein ähnlicher Effekt dürfte auch der Daimler-Chrysler-Aktie nutzen. Die tief in die Verlustzone geratene US-Tochter Chrysler erwartet ein langwieriger Umstrukturierungs- Prozess, nur von einer Zinssenkung dürfte sie umgehend profitieren. Der Kurs der Aktie stieg in der vergangen Woche um fast 9 %.

Insgesamt hat sich der Dow-Jones- Index der 30 wichtigsten Industriewerte über die Woche knapp gehalten, der breiter gefasste Standard-&-Poors-500-Index rückte um 3,5% vor, der technologielastige Nasdaq-Index stieg gar um 11,5 %.

Eine positive Bilanz nach einer Woche äußerst mäßiger Zahlen. Im Schnitt haben die berichtenden Unternehmen bis jetzt die Erwartungen der Analysten um 1,8 % verfehlt, die Quartalsergebnisse des Vorjahres haben sie um 3,1 % unterschritten, ermittelte Chefanalyst Chuck Hill vom Finanzmarkt-Forschungsinstitut First Call.

Microsoft legten trotz nicht so guter Zahlen zu

"Es scheint, als verbessere sich jetzt die Psychologie. Das Glas wird als halb voll, und nicht mehr als halb leer gesehen," kommentierte Wertpapier-Analyst Rick Sherlund von der Investmentbank Goldman Sachs die Reaktion der Anleger. Besonders augenscheinlich ist das bei dem Software-Riesen Microsoft. Der Konzern veröffentlichte Vierteljahreszahlen, die kaum die deutlich gedämpften Erwartungen erfüllten. Außerdem gab Microsoft auch nicht viel Hoffnung für die kommenden Quartale. Trotzdem sprang die Aktie am Freitag um 10 % nach oben. Die schlechten Nachrichten waren im gegenwärtigen Kurs schon eingerechnet. Einen Kurssprung erlebte die IBM-Aktie, sie gewann über die Woche fast 19 %, nachdem die Konzernzahlen die Erwartungen der Analysten übertrafen. Davon profitierte die gesamte Computerbranche, zum Beispiel Hewlett Packard, Compaq, Dell oder auch der Chiphersteller Intel.

Fondsmanager Joseph DeMarco von der Vermögensverwaltung der HSBC-Gruppe hält die Rally im Tech-Sektor für überzeugend. "Ich glaube, mehr und mehr Leute sind der Meinung, dass wir die Talsohle durchschritten haben." Ähnlich sieht es Marktanalyst Paul Cherney von der Ratingsagentur Standard & Poors. "Die Leute übersehen jetzt gerne die schwachen Ergebnisse. Sie sind überzeugt, dass die Zentralbank die Konzerne hinüberrettet."

Die schlechten Konjunkturnachrichten der vergangenen Woche - unter anderem ist der US-Konjunkturindex der Federal Reserve von Philadelphia auf den niedrigsten Stand seit zehn Jahren gefallen - erhöhten die Hoffnung, dass die Notenbank drastischere Zinssenkungen vornehmen wird. Gespannt ist die Wall Street in dieser Woche auf die Rede von Zentralbankchef Alan Greenspan vor dem Haushalts-Kommittee des Senats. Ist sein Ton überwiegend sorgenvoll, dürfte er die Zinsen am 30. Januar um einen weiteren halben Prozentpunkt senken - so wird zumindest spekuliert.



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