Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

22.01.2001

16:14 Uhr

dpa MÜNCHEN. Im Kampf um den Münchner Medienkonzern EM.TV könnte sich das Blatt noch einmal gegen die Kirch-Gruppe wenden. Während sich die Verhandlungen über den Einstieg der Kirch-Gruppe hinziehen, mehren sich die Spekulationen über Kontakte zu anderen Investoren. Ein EM.TV-Sprecher wollte dazu am Montag in München nichts sagen. Er trat aber Gerüchten entgegen, wonach die bis Ende Januar vereinbarte Exklusivität der Gespräche mit Kirch vorzeitig beendet werden könnte. "Wir können aber nicht verhindern, dass Dritte uns Angebote machen", erklärte der EM.TV - Sprecher. Die EM-TV-Aktie zog am Montag zwischenzeitlich um 7,44 % auf 8,38 Euro an.

"Der Spiegel" und die "Süddeutsche Zeitung" berichteten am Wochenende, dass EM.TV-Aufsichtsratsvorsitzender Nickolaus Becker gemeinsam mit dem Münchner Filmhändler Herbert Kloiber bei der Suche nach neuen Interessenten aktiv sei. Laut Branchenkreisen hätten sich Becker und Kloiber vergangenen Donnerstag in Genf mit Vertretern der Investmentbank Hellmann & Friedman und der Formel 1-Holding SLEC wegen eines Verkaufs des EM.TV-Anteils an der Formel 1 getroffen. EM.TV-Chef Thomas Haffa sei in diese Gespräche nicht eingeschaltet gewesen. Kloiber gehöre EM.TV nicht an, sei aber als Mehrheitseigner der Tele München Gruppe dabei, an der wiederum EM.TV mit 45 % hält. Beim Kirch-Konkurrenten Kloiber mit seiner Tele München Gruppe soll EM.TV wieder aussteigen.

Interessanter Übernahmekandidat

EM.TV gilt vor allem wegen seiner Formel 1-Beteiligung als interessanter Übernahmekandidat. Die Münchner hatten im vergangenen Jahr SLEC-Anteile für etwa 3,5 Mrd. DM und damit die Hälfte der Rennsportserie übernommen. Eine vereinbarte Option könnte EM.TV-Chef Thomas Haffa zudem zwingen, im Mai für rund eine Milliarde $ einen weiteren 25-Prozent-Anteil zu übernehmen. Der Finanzbedarf dafür war nach Einschätzung von Beobachtern einer der Hauptgründe dafür, dass EM.TV im Dezember die Allianz mit Kirch ankündigte.

Kirch und die EM.TV & Merchandising AG (München) hatten im Dezember eine Grundsatzvereinbarung getroffen. Demnach soll die Kirch-Gruppe 25 % der Stimmrechte bei EM.TV übernehmen. Für eine Beteiligung an der Formel 1 soll Kirch dem angeschlagenen Konzern außerdem eine Finanzspritze in Milliardenhöhe geben.

Nach "Spiegel-Angaben" soll der neue Plan vorsehen, dass EM.TV ihre Formel 1-Anteile für nur rund 700 Mill. $ (1,48 Mrd. DM) an die Finanzfirma Hellmann & Friedman überträgt, die wiederum würden einen kleinen Teil davon an Bernie Ecclestone weitergeben. Ecclestone ist in der Formel 1 tonangebend und hält noch die andere Hälfte an der SLEC-Holding. Er würde damit seinen Anteil wieder auf eine Drei- Viertel-Mehrheit aufstocken. Dafür soll Ecclestone aber auf die vereinbarte Option verzichten. Bei diesem Deal würde EM.TV die langjährigen Vermarktungsrechte für die Formel 1 erhalten.

Unklarheit über mögliche Insidergeschäfte

Unterdessen hat der Anwalt des inzwischen abgelöste EM.TV-Finanz - Chefs Florian Haffa, Wolfgang Dingfelder, der dpa bestätigt, dass Haffa im vergangenen Jahr zwei Aktienpakete verkauft hat: Am 14. Juli 50 000 Stück zu je 62,50 Euro sowie am 27. Oktober 400 000 Stück zu je 38,50 Euro. Dies erbrachte umgerechnet zusammen 34 Mill. DM. Beim letzten Verkauf sei es um die unumgängliche Rückzahlung eines Darlehens gegangen, zu dessen Absicherung die Aktien verpfändet gewesen seien, sagte der Anwalt. Gegen Florian Haffa liefen auch in diesem Zusammenhang staatsanwaltschaftliche Ermittlungen.

Der Oktober-Deal wirft laut "Spiegel" Fragen nach möglichen verbotenen Insidergeschäften auf, denn damals gab es bereits Gerüchte um Liquiditätsprobleme und schlechte Geschäftszahlen bei EM.TV. Mit den Problemen um Insidergeschäfte betrete man juristisches Neuland, sagte Anwalt Dingfelder. Deshalb rechne er sich für seinen Mandaten gute Karten aus.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf "Zum Home-Bildschirm"

Auf tippen, dann "Zum Startbildschirm hinzu".

×