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27.03.2003

07:59 Uhr

Kurt Ritter ist Chef der Radisson SAS-Hotels

Hotelier von Hause aus

VonAnke Pedersen (Düsseldorf)

Innerhalb von zehn Jahren will Kurt Ritter sein Hotelreich von 184 auf mehr als 700 Häuser vergrößern. Das Markenzeichen seines Erfolgs: Er lässt sich in kein Schema pressen.

Als Kurt Ritter 1947 zu Füßen der Jungfrau auf die Welt kommt, sind die Umstände so, dass eigentlich nicht anderes aus ihm werden kann als das, was dann aus ihm geworden ist. Er ist der dritte Sohn der Patronin im Beau-Site in Interlaken. Auf die Frage, was es denn sei, antwortet die Mutter, die auf eine Margrit gehofft hatte: "ein Hotelier."

In diesem Beruf hat er es weit gebracht. Kurz vor Weihnachten kürte das internationale Branchenblatt "Hotels" den President und Chief Executive Officer von Rezidor SAS Hospitality - der Muttergesellschaft von Radisson SAS Hotels & Resorts - zum König aller Hoteliers: Für ein Jahr ist er nun der "corporate hotelier of the world".

Ritter war derart stolz auf seine Auszeichnung, dass er nicht weniger als 50 seiner engsten Vertrauten einlud, ihn nach New York zur Preisverleihung zu begleiten: Freunde, Angestellte - "jetzige und gefeuerte", wie er sagte, seine drei Kinder Karl, Kurt und Elin, seine dritte Frau Lara, "meinen Boss", und seine Schwiegermutter.

Erst wenige Wochen zuvor hatte der Schweizer zum großen Coup ausgeholt und ein Mehrmarken-Abkommen mit den Carlson Hotels Worldwide besiegelt. Er will sein Hotelreich von heute knapp 184 auf mehr als 700 Häuser binnen zehn Jahren vergrößern. So will er in Dimensionen hinsichtlich Bettenzahl und Umsatz vorstoßen, in denen sich derzeit große Konkurrenten wie Hilton, Marriott und Sheraton bewegen.

Er setzt dabei auf die Marken Radisson SAS Hotels und Resorts, Regent, Country Inn und Park Inn Hotels sowie auf die neue Lifestyle- Marke "Cerutti". Trotz Krisenzeiten gelang es Ritter im vergangenen Jahr, zum achten Mal in Folge ein positives Betriebsergebnis (390 Millionen Euro) und einen leicht auf rund 1,1 Milliarden Euro gestiegenen Umsatz zu erreichen.

Vielleicht hat er den Erfolg, weil er manchmal ungewöhnliche Wege geht. Beispiele: Ritter liebt das Außerordentliche, nach innen wie nach außen. In seiner Garderobe leuchten sämtliche Farben des Regenbogens, seine kalifornische Frau sieht aus wie ein Model, sein Heim schmücken knallig bunte Interieurs mit asiatischem Touch. Und sein heiß geliebter Porsche, der ist natürlich knallrot.

Doch auch das ist nur eine Facette des Hotelchefs. "Ich passe in kein Schema", enttäuscht er alle, die das je versucht haben. Weder sei er zum Buchhalter geboren, noch zum reinen Visionär. Er sei ebenso akribisch wie geradezu "vulgär abstrakt". Soll heißen: "sich quer stellen und nichts für normal nehmen". Detailversessener, kreativer Chaot - ja, das käme seinem Charakter wohl am nächsten, nickt er und lächelt.

Dass er diese Wesenszüge dann auch ausleben konnte, verdankt er auch dem für die Branche untypischen Verlauf seiner Karriere: Ritter ist nie von einer Firma zur nächsten gehüpft. Am Ende seiner Lehrjahre ging er ab 1970 erst einige Jahre zu Ramada, um dann, 1976, von "SAS weggefischt" zu werden, wie er sagt.

So macht er vieles anders als andere. Als ihm 1993 der Chefposten der SAS International Hotels (SIH) angetragen wurde, stand es schlecht um das Unternehmen. Der 40-Prozent-Anteil an Intercontinental belastete das Ergebnis stark. Schuld waren die Folgen des Golfkriegs und der begrenzte Einfluss auf die Beteiligung. Trotzdem nahm er den Posten an - "mir drohte ja schlimmstenfalls der Rausschmiss" - und verkaufte die Interconti-Anteile sofort und gegen alle Widerstände.

Seine Strategie für die Folgezeit: "Wir machen etwas Irrsinniges." Binnen zwei Jahren, so seine Vorgabe, sollte der Bruttogewinn auf 32 Prozent steigen. Das ging nur durch Sparen, Sparen und nochmals Sparen. Bereits nach 18 Monaten war der Bruttogewinn um satte 50 Prozent gestiegen.

Außerdem setzte er früh auf die Markenpolitik. Ritter hat die US-Marke Radisson SAS früh in Europa etabliert. Er habe "die Kraft und den Wert von Marken schon sehr früh verstanden", lobt "Hotels"-Chefredakteur Weinstein seinen Preisträger.

Aber Workaholic Ritter verlässt sich privat wie beruflich auf ein eingespieltes Team. Seit Jahren arbeitet er in seiner Brüsseler Zentrale mit immer dem gleichen Management. Eine Seltenheit in der Hotellerie.

Der Schweizer wechselt lediglich zwischen den Sprachen Englisch, Deutsch, Schwyzerdütsch, Französisch, Norwegisch, Schwedisch und Flämisch - und zwar so leichtfüßig, dass er schon mal mehrere Idiome in einem Satz vereint. "Ich fühlte immer, ich habe den basic instinct für diese Profession."

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