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28.01.2007

15:48 Uhr

Kutzers Corner

Vorsicht, Crash!

VonHermann Kutzer

Eine scharfe Korrekturphase droht, vielleicht sogar ein Crash ähnlicher Rückschlag. Sieht es tatsächlich danach aus? In meinen Augen nicht, deshalb betrachten Sie die Eingangsformulierungen als Provokation. Aber: Am deutschen Aktienmarkt ist in der zurück liegenden Woche eine seltsame Stimmung eingekehrt.

Zum einen gab es täglich wiederkehrende Richtungswechsel im Sitzungsverlauf, die irritierten. Zum anderen signalisierten Stimmungsindikatoren eine wachsende Zahl von Pessimisten. Die Reaktion auf die Siemens-HV wiederum zeigt nach meiner Einschätzung, dass die Börse weiterhin bereit ist, auf die Zukunft zu setzen, die Zukunft vorweg zu nehmen – das ist eine Marktverfassung, in der man Aktien kaufen sollte (Der Gegensatz ist, wenn die Börse den Aussagen für die Zukunft nicht traut, sondern nur die aktuelle Lage eines Unternehmens einpreist).

Im Wochenverlauf meldeten sich jedenfalls die vorsichtigen Propheten lauter zu Wort, vorsichtshalber. Immer häufiger ist jetzt zu hören und zu lesen, dass Analysten und Anlageberater etwa wie folgt argumentieren: Die Börse ist keine Einbahnstraße, nach vier Jahren des Aufschwungs ist eine Kurskorrektur einfach fällig. Charts und Fundamentaldaten stimmen zwar nach wie vor positiv, aber ein Schwächeanfall sollte in nächster Zeit keine Überraschung sein. Merken Sie was? Für solche und ähnliche Verläufe haben sich die Propheten jetzt gut abgesichert. Sie glauben eigentlich an weiter steigende Kurse, bekommen aber zunehmend Angst und packen prophylaktisch eine Warnung dazu. Mit anderen Worten: Sollte es tatsächlich in nächster Zeit krachen – man hat ja gewarnt und liegt dementsprechend richtig. Kommt der Kursrückschlag nicht, lässt sich leicht darauf verweisen, dass man ja grundsätzlich fest geblieben sei.

Bleiben Sie cool! Sie haben schon beim Aktienkauf sofort persönliche Verkaufslimite gesetzt, um Verluste in einer Schwächephase konsequent zu begrenzen. Auf eines der kalkulierbaren Risiken sollten Sie jetzt aber wieder ganz genau achten: das Inflations-/Zinssyndrom. Es ist nämlich nicht auszuschließen, dass sich ausgehend von der Wall Street die Angst vor einer beschleunigten Teuerung mit tendenziell eher steigenden Zinsen weltweit ausbreitet. Das Ende also für die seit Wochen vorherrschenden Hoffnungen, die US-Notenbank könnte in absehbarer Zeit die Zinsen wieder zurück nehmen und in Europa gehe die Phase steigender Leitzinsen alsbald zu Ende. Das wäre eine schlimme Krankheit, die Renten- und Aktienmarkt gleichermaßen befallen könnte. Und für die Aktienfans ein Signal zum Ausstieg. Aber soweit ist es (noch) nicht. Deshalb: Keine Angst, nur erhöhte Vorsicht!

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