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29.01.2005

15:31 Uhr

Kutzers Corner

Vorsicht vor „Fusionitis“

VonHermann Kutzer

Groß, größer, am größten – auf dem internationalen Spielfeld der Unternehmenszusammenschlüsse könnte es ein Jahr der Rekorde geben, mutmaßen Experten.

HB FRANKFURT. Im Gegensatz zu den Börsen, wo die Kurse der Aktiengesellschaften nach wie vor unsicher hin- und und her zucken, geht es im M&A-Geschäft (Mergers and Acquisitions, also für Fusionen und Übernahmen) richtig zur Sache. In der inzwischen weitgehend liberalisierten Weltwirtschaft bilden sich immer größere Einheiten. Letztlich ballt sich immer mehr Macht in immer weniger Händen zusammen – und das ist nicht unproblematisch. Diesen Trend sollte man auch nicht einfach achselzuckend mit dem Hinweis abtun, das sei eben „Globalisierung“.

Andererseits ist die Entwicklung nicht neu: Es hat oft Fusionswellen gegeben. Sie werden naturgemäß aber immer größer. Ich erinnere zum Beispiel an die 70-er Jahre, als sich die Unternehmenslandschaft in Deutschland durch Fusionen vor allem von Maschinenbau- und Stahlkonzernen veränderte. Damals sprach man von „Elefanten-Hochzeiten“, heute ist von „Milliarden-Deals“ oder „Mega-Mergers“ die Rede.

Interessant ist aber auch die Beobachtung, dass es stets Gegenbewegungen gibt, gleichzeitig oder später – dann nämlich, wenn die Marktlage dazu zwingt, sich auf das ursprüngliche Kerngeschäft zu beschränken, oder wenn man erkennen muss, dass die beiden Unternehmen doch nicht zusammen passen und deshalb die erhofften Effekte ausbleiben. Dann werden Abspaltungen, Desinvestments und „Spinn-offs“ vorgenommen – Verkäufe von ganzen Unternehmen oder Unternehmensteilen.

Was haben Sie, die Anleger, davon? Meistens wenig oder nichts, insbesondere dann, wenn Sie von der Kursreaktion zu viel und das zu schnell erwarten. Und rechnen Sie schon gar nicht damit, dass die Börse „vernünftig“ oder „logisch“ reagiert. Deshalb empfehle ich, Großfusionen oder deren Ankündigung im Regelfall nicht zum Anlass für Anlagekäufe zu nehmen. Selbst wenn klar zu sein scheint, welcher Kurs am stärksten profitieren müsste, der des Übernehmenden oder der des Übernommenen – als Privatanleger bewegen Sie sich meist auf einem gefährlichen Terrain. Wenn Sie dennoch bei „heißen“ Deals dabei sein wollen, dann am besten in Ihrem spekulativen Topf!

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