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09.04.2006

15:31 Uhr

Börsen und Wetter liefern immer wieder Stoff für Vergleiche, vor allem bei den Vorhersagen. Manchmal aber auch im Rückblick, denn die erste Aprilwoche ist doch ziemlich wechselhaft verlaufen und hat in freier Natur wie im Aktienhandel einige Temperaturschwankungen beschert. Die Freude der Dax-Fans über die endlich erfolgreiche Erstürmung des 6000er Gipfels währte nicht lange, denn ganz am Ende der Woche reichte ein leichter Dämpfer von der Wall Street, um unseren Index wieder einknicken zu lassen. Innerhalb von etwa einer Stunde schrumpften die Wochengewinne dahin – wie gewonnen, so zerronnen?

Nein, das wäre wohl zu pessimistisch. Zwar hat der jüngste Rückschlag auf zeitweise unter 5950 Punkte einen ungestümen Vormarsch der „Bullen“ gebremst. Zugleich war dies eine Bestätigung für jene vorsichtigen Marktteilnehmer, die sich auf ein nahendes Ende des dynamischen Aufschwungs einstellen. Andererseits scheinen die Optimisten nicht nur weiter in der Überzahl sondern auch die besseren Argumente zu haben, können sie sich doch – ungeachtet der aktuellen Wirtschaftsdaten – auf zwei unverändert stabile Säulen stützen: Es ist viel Anlage suchendes Kapital vorhanden (= hohe Liquidität), und deutsche Aktiengesellschaften sind mehrheitlich noch immer nicht besonders hoch bewertet.

Dennoch wäre es keine Überraschung, wenn die Kurse der Standardwerte in der neuen Woche keine klare Richtung einschlagen oder sich sogar abschwächen würden. Denn viele Investoren disponieren sehr flexibel und realisieren kurzfristig Kursgewinne, wenn sie keine eindeutige Tendenz sehen. Selbst mittelfristig weiter fest gestimmte Chartisten schließen jetzt einen Test der Zone zwischen 5850/5800 Punkte nicht aus. Auf die Privatanleger, die sich aktiv ein Bild von der aktuellen Börsenlage machen wollen, kommt jetzt einiges an kursrelevanten Faktoren zu. So werden in den USA wie hierzulande mehrere wichtige Konjunkturdaten veröffentlicht (u. a. ZEW-Bericht am Dienstag, diverse US-Indikatoren am Donnerstag). Außerdem beginnt bei uns die Hauptversammlungssaison und damit eine Anfang Mai den Höhepunkt erreichende Welle von Dividendenausschüttungen – kommen diese Beträge an die Börse zurück? fragen sich die Analysten. Und in Amerika eröffnet der Aluminiumgigant Alcoa am Montag die Berichtssaison für das erste Quartal.

Je nach Nachrichtenlage werden sich Konjunktureinschätzung und Zinsklima auf beiden Seiten des Atlantiks verändern. Und das ist brisant. Denn alle hoffen zwar auf eine Fortsetzung des flotten Konjunkturtempos (USA) bzw. auf eine Wachstumsbeschleunigung (Deutschland). Wird dies aber bestätigt, steigen automatisch die ohnedies vorhandenen Sorgen, dass die Notenbanken dann die Leitzinsen weiter anheben werden – und das wäre nicht gut für den Aktienhandel. Sicher ist also nur eines: Es bleibt spannend. Ich empfehle, mit einem Auge nach wie vor die Weltpolitik zu beobachten, denn es könnte die Stimmung der Börsianer spürbar belasten, sollten sich die spekulativen Meldungen vom Wochenende über angebliche US-Kriegspläne gegen Iran zu Schlagzeilen verdichten.

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