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31.01.2002

00:00 Uhr

Labile Autokunjunktur

VDA erwartet Rückgang bei Pkw-Neuzulassungen

Der deutschen Autoindustrie steht nach Einschätzung ihres Branchenverbandes VDA ein schwieriges Jahr 2002, aber keine Krise bevor. Insgesamt müsse in diesem Jahr mit einem leichten Rückgang bei Produktion und Neuzulassungen gerechnet werden, erläuterte der Präsident des Verbandes der Automobilindustrie (VDA), Bernd Gottschalk, in Frankfurt.

Reuters FRANKFURT. Bereits 2001 seien die Neuzulassungen um ein Prozent auf 3,34 Mill. Pkw zurückgegangen, während die Inlandsproduktion noch leicht zugelegt habe. Scharfe Kritik äußerte Gottschalk am neuesten Entwurf der Europäischen Union (EU) zur Änderung bei den Regeln für Neuwagenhändler. "Der Wettbewerb ist heute bereits scharf, und die Margen sind keineswegs üppig", kommentierte Gottschalk die von EU-Kommissar Marion Monti geplante Liberalisierung der Händlernetze.

Im vergangenen Jahr präsentierte sich die deutsche Autoindustrie nach VDA-Angaben noch in Rekordlaune. Rund 5,3 Mill. Pkw und damit etwa drei Prozent mehr als 2000 hätten die deutschen Konzerne im Inland produziert. Die Gesamtproduktion im In- und Ausland stieg in gleicher Größenordnung auf rund zehn Mill. Fahrzeuge, womit die deutsche Autoindustrie ihren Anteil an der Weltproduktion auf fast 18 % ausgeweitet habe. Die Weltmarktproduktion sei dagegen vor allem wegen der schwachen US-Industrie um vier Prozent gefallen. Mit mehr als 3,6 Mill. exportierten Pkw hätten die deutschen Autoausfuhren 2001 einen Rekord erreicht. Mit zweistelligen Rückgängen deutlich schwach entwickelt hätten sich dagegen Produktion und Absatz von Nutzfahrzeugen, hieß es.

VDA-Präsident Gottschalk zeigte sich für 2002 verhalten optimistisch. "Ich bin zuversichtlich, dass sich die deutschen Automobilhersteller auch in rauer See behaupten und erfolgreich Kurs halten werden", sagte der VDA-Chef. Ab Jahresmitte könne mit einer Belebung der Branche gerechnet werden. Der Dezember 2001 habe allerdings mit einem Produktionsrückgang von rund fünf Prozent und mit sechs Prozent weniger Neuzulassungen eine deutliche Abkühlung des Marktes signalisiert. Insgesamt müsse 2002 mit Neuzulassungen zwischen 3,2 und 3,3 Mill. Wagen gerechnet werden. Die Inlandsproduktion dürfte nahe der Marke von fünf Mill. Pkw und Kombis liegen, womit sich das Niveau der Beschäftigtenzahlen wohl stabil halten werde.

Mahnende Worte richtete der VDA-Präsident an Politik und Gewerkschaften. So habe die Ökosteuer die Kaufkraft in Deutschland um jährlich rund neun Mrd. Euro gebremst. Hinzu kämen Belastungen etwa aus der Altautodirektive oder den steigenden Treibstoffkosten. "Die Grenzen der Belastbarkeit des Autofahrers sind deutlich überschritten", sagte Gottschalk. Zugleich warnte er vor Tarifabschlüssen, die sich zu sehr vom Produktivitätszuwachs entfernten, da hierdurch Arbeitsplätze und Wettbewerbsfähigkeit gefährdet würden. Die IG Metall sah sich indes durch die jüngsten Auto-Zahlen mit ihrer Forderung von plus 6,5 % mehr Lohn und Gehalt bestätigt. Wenn es bereits im zweiten Quartal wieder aufwärts gehe, gebe es "keinen Grund zum Jammern", erklärte IG Metall-Chef Klaus Zwickel.

Scharfe Kritik äußerte Gottschalk indes an den neuesten EU-Plänen zur so genannten Gruppenfreistellungsverordnung (GVO) für Neuwagenhändler. Das Ende der festen Bindung zwischen Autohändlern und-herstellern werde zu einer erheblichen Marktkonzentration führen und einer Vielzahl mittelständischer Autoverkäufer die Existenzgrundlage entziehen. Die GVO genehmigt den Autoherstellern in Europa derzeit noch exklusive Verträge mit ihren Händlern. Demnach können Autoverkäufer zum Beispiel nur bestimmte Marken in festgelegten Regionen verkaufen. Nach VDA-Angaben soll es nach dem jüngsten EU-Entwurf den Herstellern mit einem Marktanteil von über zehn Prozent nicht mehr möglich sein, die Standorte der Verkaufsstellen ihrer Vertragshändler festzulegen. Damit sei die zuvor anvisierte Marke von 15 % Marktanteil sogar noch verschärft worden, sagte Gottschalk.

Von der Zehn-Prozent-Marke beim Marktanteil würden wohl nur die europäischen Konzerne, nicht aber die Konkurrenz etwa aus Fernost betroffen, womit der Wettbewerb verzerrt werde, kritisierte Gottschalk. Zudem würde durch die Neuregelung, dass die Autohändler künftig unterschiedliche Marken verkaufen dürften, die "Markenexklusivität in hohem Maße gefährdet". Vor allem die deutschen Autoproduzenten hätten hart an ihrem Markenimage "Made in Germany" gearbeitet, dem nun eine Aufweichung drohe. Die Möglichkeit der Trennung von Service und Vertrieb, wie der EU-Entwurf sie vorsehe, würde den Dienst am Kunden verschlechtern und könnte sogar zu Lasten von Sicherheit und Umwelt gehen, warnte Gottschalk weiter.

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