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06.01.2003

11:00 Uhr

Lage in der Euro-Zone etwas besser

Dienstleister blicken skeptisch ins neue Jahr

Die deutschen Dienstleister blicken nach einem neuen Geschäftsrückgang im Dezember weiter pessimistisch in die Zukunft. Die schwache Binnenkonjunktur führte zu weniger Investitionen und einem beschleunigten Stellenabbau in der Branche, wie aus dem am Montag von der Forschungsgruppe NTC veröffentlichten Reuters-Service-Index hervorgeht.

Reuters LONDON/BERLIN. Der seit fünf Monaten anhaltende Abwärtstrend im deutschen Dienstleistungssektor beschleunigte sich erneut etwas und ließ den Service-Index saisonal bereinigt auf 45,4 von 45,6 Punkten im November sinken. Analysten hatten mit einem geringfügigen Anstieg des Indexes auf 45,8 Punkte gerechnet. Die Firmen beurteilen die Geschäftsaussichten für die kommenden zwölf Monate weiterhin überwiegend negativ, ihr Pessimismus ging aber leicht zurück.

Wegen der schlechten Lage in Deutschland stagnierte auch die Geschäftstätigkeit im Dienstleistungssektor der Euro-Zone wie bereits in den vergangenen Monaten nahezu, obwohl viele andere Länder ein deutliches Wachstum verbuchten. Der Reuters-Service-Index für den Euro-Raum gab saisonbereinigt leicht nach auf 50,6 von 50,8 Punkten im Vormonat - auch hier hatten Experten mit einem leichten Anstieg gerechnet. "Dies bestätigt das Bild, dass die deutsche Wirtschaft der Euro-Zone mit gehörigem Abstand hinterherhechelt", sagte Bernd Weidensteiner von der DZ-Bank. Einige Volkswirte rechnen wegen der Wirtschaftsflaute mit einer weiteren Leitzinssenkung der Europäischen Zentralbank (EZB).

Firmen klagen über geringe Investitionen

Die befragten Dienstleister in Deutschland führten nach NTC-Angaben den Geschäftsrückgang in erster Linie auf die schlechte Binnenmarktlage und geringe Investitionen der Inlandskunden zurück. Die Firmen hätten Probleme, Neugeschäfte zu gewinnen. Zudem hätten die Kunden vereinbarte Leistungen verschoben oder storniert. Der Nachfragerückgang habe wieder zu einem Rückgang der Verkaufspreise geführt, teilte NTC weiter mit. Volkswirt Weidensteiner nannte die ausgeprägte Konsumzurückhaltung einen der Hauptgründe für das Minus. Der Auftragsbestand der befragten Unternehmen sinkt im Vormonatsvergleich seit mehr als zwei Jahren und auch der Stellenabbau setzte sich im neunten Monat hintereinander fort. Der Teilindex Beschäftigung ging den Angaben zufolge saisonbereinigt auf 42,6 von 43,1 Punkten im November zurück.

Beim Service-Index werden etwa 500 deutsche Führungskräfte zur aktuellen Stimmungslage und ihren Geschäftsaussichten befragt. Indexwerte unter 50 Punkten signalisieren einen Rückgang, Werte darüber ein Wachstum der Geschäftstätigkeit.

Lage in Euro-Zone besser als in Deutschland

In der Euro-Zone setzte sich der uneinheitliche Trend der Dienstleistungsbranche im Dezember fort. Für die zwölf Länder sprach NTC insgesamt von einem geringen Wachstum der Geschäftstätigkeit, das jedoch nahe der Stagnation liege. "Das Gesamtbild der Stagnation maskiert jedoch sehr unterschiedliche Trends auf nationalem Niveau", hieß es. Anders als in Deutschland habe der Sektor in Italien, Frankreich und Spanien ein deutliches Wachstum verzeichnet. Ken Wattret von der BNP Paribas in London bezeichnete die deutschen Zahlen als "erschreckend schwach", während Frankreich und Italien sich relativ gut geschlagen hätten. Der Volkswirt rechnet ebenso wie Jonathan Hoffman von RBS Financial Markets mit einer Senkung der EZB-Leitzinsen in den kommenden Monaten. Der Index der Geschäftserwartungen im Euro-Raum stieg erstmals seit fünf Monaten an auf 59,8 Zähler und erholte sich damit von seinem Jahrestief im November bei 58,1 Punkten. Der Reuters-Composite-Index für die Euro-Zone, der die Daten aus dem Verarbeitenden Gewerbe und dem Dienstleistungssektor zusammenfasst, fiel im Dezember auf 50,5 (51,1) Punkte.

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