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17.01.2001

18:37 Uhr

Lage in Kinshasa ruhig

Kongo: Widersprüchliche Angaben über Schicksal von Präsident Kabila

Einen Tag nach dem Attentat auf den Präsidenten der Demokratischen Republik Kongo, Laurent Kabila, hat es am Mittwoch widersprüchliche Angaben über dessen Schicksal gegeben. Der Botschafter des Kongo in Simbabwe sagte, Kabila sei am Leben, aber in einem "sehr kritischen Zustand". Zuvor hatte der Verteidigungsminister des Kongo, Godefroid Tchamlesso, nach einem Bericht des libyschen Fernsehen den Tod Kabilas bestätigt.

Reuters KINSHASA. Kabilas Sohn Joseph übernahm nach offiziellen Angaben die Regierungsgeschäfte. Die Europäische Union (EU) rief die Konfliktparteien im Kongo zur Versöhnung auf. Dort herrscht seit zweieinhalb Jahren ein Bürgerkrieg, an dem mehrere afrikanischen Staaten beteiligt sind.

Kongos Botschafter Kikaya bien Karubi berichtete im Staatsfernsehen Simbabwes, Kabila (61) sei von der kongolesischen Hauptstadt Kinshasa nach Simbabwe gebracht worden. Mehrere Ärzte kümmerten sich um ihn. Kabila sei offensichtlich in einem "sehr kritischen Zustand", aber er lebe.

Verteidigungsminister Tchamblesso sagte hingegen nach einem Bericht des libysche Fernsehens bei einer Unterredung mit dem libyschen Revolutionsführer Muammar el Gaddafi in Tunis, Kabila sei in einem Krankenhaus der Hauptstadt Kinshasa gestorben. Ein Leibwächter habe zuvor auf Kabila geschossen. Das libysche Fernsehen zitierte Tchamlesso bei dem Gespräch mit Gaddafi mit den Worten, Kabila habe viel Blut verloren und etwa zwei Stunden um sein Leben gekämpft, bevor er gestorben sei.

Informationsminister Dominique Sakombi hatte zuvor im staatlichen Rundfunk gesagt, nach einer Sondersitzung habe die Regierung Kabilas Sohn, Generalmajor Joseph Kabila, die Regierungsgewalt und den Befehl über die Streitkräfte übertragen. Der Präsident sei zur ärztlichen Behandlung außer Landes geflogen worden. "Die Regierung wünscht dem Präsidenten eine schnelle Genesung und eine rasche Rückkehr".

Nach Darstellung von Simbabwes Verteidigungsminister Moven Mahachi starb Kabila am Mittwochmorgen auf dem Flug nach Simbabwe. Simbabwe hat im Bürgerkrieg Position für Kabila bezogen. Mahachi sagte der simbabwischen Nachrichtenagentur Ziana zufolge, Kabila sei am Dienstag von einem seiner Mitarbeiter mit fünf Schüssen verwundet worden. Der Attentäter sei später von anderen Angestellten des Präsidenten getötet worden. "Es war ein Mordanschlag", zitierte die Agentur Mahachi. Mahachi bestätigte damit Äußerungen Michels und des britischen Außenministeriums, die den Tod Kabilas bestätigt hatten.

Belgiens Außenminister Louis Michel sagte in Brüssel, es herrsche noch Unklarheit darüber, wer Kabila am Dienstag getötet habe. Er schloss nicht aus, dass es einer der Generäle getan haben könnte, die Kabila einem Bericht des belgischen Rundfunksenders RTBF zufolge zu sich gerufen hatte, um ihnen ihre Absetzung mitzuteilen.

Trotz der Berichte über den Anschlag und den Tod Kabilas war die Lage in der Hauptstadt Kinshasa Augenzeugenberichten zufolge ruhig. Es seien zwar Soldaten zu sehen, dies sei jedoch nichts Ungewöhnliches. Das Nachbarland, die Republik Kongo, verschärfte nach eigenen Angaben seines Grenzkontrollen an den Übergängen zur Demokratischen Republik.

Simbabwe und Namibia erklärten, sie würden ihre Truppen in der Demokratischen Republik Kongo dort stationiert lassen. Simbabwe hat rund 12 000 Soldaten und Namibia rund 2000 Mann im Kongo. Die beiden Staaten haben zusammen mit Angola Kabila militärisch im Kampf gegen seine Gegner im Land unterstützt.

Kabila hatte sich 1996 an die Spitze einer Rebellion gegen den damaligen Diktator Mobutu Sese Seko gesetzt und die Macht 1997 mit Hilfe der Nachbarstaaten Uganda und Ruanda übernommen. Den in ihn gesetzten Hoffnungen auf eine Demokratisierung des Landes zum Trotz stattete sich Kabila mit weit reichenden Vollmachten aus und verbot jede Opposition. 1998 zerbrach Kabilas Allianz mit den beiden Nachbarstaaten, die in der Folgezeit verschiedene Gruppen mit dem Ziel seines Sturzes unterstützten.

In einer ersten Reaktion der EU forderte die schwedische EU-Ratspräsidentschaft die Konfliktparteien auf, gemeinsam für eine Versöhnung und Demokratisierung des Landes zu arbeiten. Die ausländischen Staaten sollten dem Aufruf des Friedensabkommens von 1999 folgen und ihre Truppen aus dem Kongo zurückziehen.

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