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10.04.2003

17:47 Uhr

Lage wird beobachtet-

EZB: Folgen des Irak-Kriegs unklar

Die wirtschaftlichen Folgen des Irak-Krieges sind der Europäische Zentralbank (EZB) zufolge noch nicht absehbar. "Es ist jedoch erforderlich, die ökonomischen Folgen des Kriegs zu untersuchen, sobald sich ein klareres Bild ergibt", heißt es in dem am Donnerstag in Frankfurt veröffentlichten Monatsbericht für April.

Reuters FRANKFURT. Zur Zinsentscheidung Anfang April hätten sich keine veränderten Aussichten für die Preisstabilität ergeben, begründet die EZB darin ihren Entschluss, den Leitzins von 2,50 % beizubehalten. Der Irak-Konflikt habe die Konjunktur gedämpft und erschwere die Prognose wegen der außerordentlich hohen Unsicherheit für dieses Jahr, heißt es im Vorwort, das die Erklärung von Notenbankchef Wim Duisenberg nach der Zinssitzung in Rom am 3. April wiederholt.

Am Mittwoch war die Hoffnung auf ein baldiges Ende des Krieges gewachsen, nachdem die US-Truppen mit überraschend geringem Widerstand die Kontrolle Bagdads übernahmen und von der Bevölkerung zum Teil bejubelt wurden.

Die EZB hatte vor einer Woche den Schlüsselzins nicht geändert, nachdem sie erst Anfang März mit einer Zinssenkung um 25 Basispunkte auf die trüberen Konjunkturperspektiven und die besseren Aussichten für die Preisstabilität reagiert hatte. Viele Analysten erwarten aber eine weitere geldpolitische Lockerung, denn auch nach dem Ende des die Vertrauenskrise in der Wirtschaft verschärfenden Krieges wird die Konjunktur nach ihrer Ansicht nur langsam wieder Tritt fassen. Der Monatsbericht gibt keine neuen Hinweise auf die künftige Zinspolitik der Notenbank.

Alles in allem werde beim derzeitigen Zinsniveau die Preisstabilität gewahrt und die Konjunktur begünstigt, schreibt die EZB. "Da außergewöhnliche Umstände die Einschätzung der wirtschaftlichen Entwicklung derzeit erschweren, wird der EZB-Rat die Ereignisse weiterhin sorgfältig beobachten und sie seinem Auftrage gemäß beurteilen." In diesem Jahr sei nur mit geringem Wachstum zu rechnen - EZB-Präsident Wim Duisenberg hatte dies kürzlich auf rund ein Prozent beziffert. Die Inflation werde wahrscheinlich unter zwei Prozent sinken, auch wenn die Teuerungsraten kurzfristig wegen der starken Ausschläge der Ölpreise schwanken könnten. Voraussetzung sei, dass sich der jüngste Rückgang der Ölpreise nicht wieder umkehre und die Löhne weiterhin nur mäßig stiegen. Derzeit liegt der Ölpreis mit rund 25 Dollar je Barrel (ein Barrel = 159 Liter) auf einem niedrigen Niveau.

Nach ersten Schätzungen verharrte die Jahresteuerung in der Euro-Zone im März bei 2,4 %. Einen wichtigen dämpfenden Einfluss auf die Inflation haben der EZB zufolge die Aufwertung des Euro in den vergangenen zwölf Monaten und die schwache Nachfrage.

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