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11.04.2003

14:40 Uhr

Lancaster, Goldpfeil und Strellson greifen zu

Modekonzern Joop ist verkauft

Ein Konsortium aus den Mode- und Accessoires-Firmen Strellson, Egana Goldpfeil und Coty ("Lancaster") habe die Joop übernommen, bestätigte Geschäftsführer Wolfgang Freuer am Freitag der Deutschen Presse-Agentur.

HB/dpa HAMBURG. Durch den Verkauf sämtlicher Geschäftsanteile bleiben nach Angaben des Insolvenzverwalters Hans-Ulrich Hildebrandt rund 115 Arbeitsplätze erhalten. Der Übernahme muss das Kartellamt noch zustimmen, wovon die Parteien aber ausgingen, hieß es.

Mit dem Verkauf neigt sich das Kapitel der insolventen Hamburger Wünsche AG mit ihren vier Mode- und Textiltöchtern nach mehr als einem Jahr dem Ende zu. Der Designer Wolfgang Joop hatte schon lange keine Aktien mehr an "seinem" Unternehmen, stritt sich aber noch erfolgreich über seinen Designervertrag mit der Wünsche AG. Sie hatte Joop 2001 die restlichen 5,0 % abgekauft, nachdem sie drei Jahre zuvor schon mehrheitlich eingestiegen war.

"Es freut mich, dass die Joop sich trotz der durch die Insolvenz der Muttergesellschaft verursachten Turbulenzen besser denn je hat am Markt behaupten können", teilte der Insolvenzverwalter mit. So sieht es auch der Geschäftsführer: Nach drei Jahren sei der "Turnaround" geschafft; "die Marke Joop wächst", sagte Freuer. Der Außenumsatz einschließlich der Lizenzen verzeichnete nach seinen Worten mit 195 Mill. ? in 2002 leichte Einbußen.

"Als Marke haben wir uns gegen den Markt entwickelt", ergänzte Freuer angesichts der schwachen Konjunktur auch im Modebereich. Sie war offensichtlich auch ein Grund für die langwierigen Verkaufsverhandlungen und wiederkehrenden Spekulationen über künftige Eigentümer: in schwierigen Konsumzeiten ist der Griff nach einem Unternehmen nicht selbstverständlich - bis der Preis stimmt. Über ihn schwiegen sich die Parteien aber aus. Wolfgang Joop hatte seine Anteile 1998 laut "Spiegel" für rund 77 Mill. ? verkauft. Weniger als die Hälfte wurde zuletzt als heutiger Verkaufspreis spekuliert.

Angesichts des "potenten Konsortiums" erwartet der Joop-Chef eine Intensivierung der Geschäftsbeziehungen mit seinen Lizenznehmern für Bekleidung, Parfüm, Lederwaren und andere Accessoires. Mit Strellson kamen auch die Holy-Brüder - ehemals Gründer des Modeunternehmens Boss und jetzt auch mit der Marke Windsor am Markt - zum Zuge. Sie bestücken bereits die männliche Joop-Mode.

Der frühere Getreide- und Futtermittelkonzern Wünsche, der nach einer Umstrukturierung als Life-Style-Trendsetter brillieren wollte, hatte für die Holding im März 2002 zum zweiten Mal binnen weniger Monate Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens gestellt. Zuvor war ein Sanierungsplan gescheitert, vor allem wegen - später haltloser - Steuerforderungen gegen die Joop Die einstige Mode-Tochter Cinque musste selbst in 2002 Insolvenzantrag stellen. Zwei Handelsfirmen des Wünsche-Portfolios wurden verkauft.

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