Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

26.03.2003

10:13 Uhr

Langer Krieg brächte Bonitätsbewertung der Nahost-Länder unter Druck

Ankara kämpft um Kredite

Die Ratingagenturen Moody?s, Standard & Poor?s (S&P) und Fitch beobachten derzeit gespannt die Entwicklung im Irak, um im Zweifelsfall die Bonitätsbewertungen der Länder im Nahen Osten zu ändern. Auch Investoren brennt das Thema auf den Nägeln.

cü FRANKFURT/M. "Wir bekommen sehr viele Anfragen", sagte gestern David Levey, Managing Director bei Moody?s, in einer Telefonkonferenz.

Bislang droht den Ratings der Länder in Nahost jedoch keine akute Gefahr, auch wenn der Krieg sich noch mehrere Wochen hinziehen sollte - ein Zeitraum, der nach Interpretation von Moody?s immer noch "relativ kurz" wäre. Auch die Ratingagentur Fitch sieht bei einem wenige Wochen dauernden Krieg keinen akuten Druck, die Länder in ihrer Bonität herabzustufen. Allerdings senkte Fitch gestern die Bonitätsbewertung der Türkei um eine Stufe auf B- von B. Fitch begründete dies unter anderem damit, dass die USA ihr angekündigtes Hilfspaket für die Türkei über 30 Mrd. Dollar zurückgezogen haben. Die USA hatten die Hilfen als Gegenleistung für eine Truppenstationierung in der Türkei in Aussicht gestellt.

Mit B- bewertet Fitch die Bonität der Türkei jetzt so wie S&P, die der Türkei schon vorher eine schlechtere Bonität attestiert hatte. Von daher habe die Herabstufung nicht überrascht, hieß es im Handel. Der Kurs der richtungweisenden 30-jährigen Dollar-Anleihe des Landes lag auch nach der Herabstufung noch leicht im Plus und notierte bei rund 85 % des Nennwerts.

Moody?s bewertet die Türkei mit B1 zwei Stufen besser als Fitch und S&P. Der Ratingausblick ist zwar negativ, doch noch stellt Moody?s das Rating nicht in Frage. Die türkischen Währungsreserven seien vergleichsweise hoch, und die Türkei habe ihre Ausgaben stark gedrosselt, sagte Levey.

Nach einem Krieg könnte sich der positive Ratingtrend der Länder in Nahost fortsetzen

Nach einem Krieg im Irak erwartet Moody?s, dass sich der bislang beobachtete allgemein positive Ratingtrend der Länder in Nahost fortsetzen wird. Viele der Länder wie zum Beispiel Bahrein, Saudi-Arabien, Israel oder Libanon hätten bereits den Weg zu mehr Reformen eingeschlagen. Eine neue Regierung im Irak könnte Reformen auch in diesen Ländern beschleunigen, was sich positiv auf die Kreditwürdigkeit der Länder auswirken sollte , meint Levey.

Dies gelte allerdings nicht für die schwächsten Gläubiger wie die Türkei oder Ägypten. Auch Fitch sieht neben der Türkei die Bonitätsnote Ägyptens noch am meisten in Gefahr. "Ägypten ist sehr vom Tourismus abhängig, und die fehlenden Einnahmen aus dieser Quelle belasten das Land", sagte Analyst James McCormack. Auch wegbrechende Direktinvestitionen aus dem Ausland würden Ägypten belasten - ebenso wie den Libanon, den Iran und Kuwait.

Der Irak selbst hat kein Rating. Seit dem ersten Golfkrieg hat der Irak aber Anleihen über insgesamt 62 Mrd. Dollar nicht bedient. Die Kurse der Irak-Anleihen notieren zwar immer noch unter 20 %, haben sich in jüngster Zeit aber deutlich erholt. Investoren spekulieren Händlern zufolge darauf, dass die USA nach dem Krieg Geld in die Ölindustrie des Iraks pumpen werden. Dann könne der Irak aus seinen Öleinnahmen seine Bonds bedienen.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×