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30.01.2004

11:22 Uhr

Langjährige Finanzpläne sind in der Bundesliga kaum bekannt

Finanzielle Fehlpässe

VonT. Knüwer und D. Hintermeier (Handelsblatt)

Der Hoffnungsträger der Fußball-Bundesliga paddelt hauptberuflich Touristen auf Seekajaks durch den Phra-Ngang-Nationalpark im Süden Thailands. Er heißt Billy, ist 1,70 groß, braun gebrannt, muskulös. "Ooohh, Stuttgart good this season! And Bremen!" radebrecht er, wenn er deutsche Touristen in seinem Boot begrüßt.

DÜSSELDORF. Thailänder lieben Fußball, den europäischen am allermeisten. Am Wochenende gibt es reichlich Spiele vom anderen Kontinent im Fernsehen, Englands Premier League und die Bundesliga gehören zu den Favoriten. Kein Wunder, dass Deutschlands Fußballmanager in der Winterpause der Liga die Idee ausheckten, man könne doch am Samstagmittag spielen, damit die Partien in Asien live übertragen werden könnten. Billy würde es freuen. "Das ist doch Quatsch. So einen Markt muss man erst mal pflegen", empört sich dagegen Bayern-Manager Uli Hoeneß.

Übel nehmen darf man den Clubs solche Überlegungen nicht. Hektisch suchen sie nach neuen Einnahmen auf der Jagd nach den Konkurrenten aus Italien, Spanien und England. So verkaufte Borussia Dortmund die Anteile an seinem Stadion in einem so komplizierten Sale-and- lease-back-Verfahren, dass selbst Finanzexperten Probleme haben, die Verträge zu durchblicken.

Wenn am Freitagabend im Westfalenstadion die Rückrunde mit dem Revierderby Dortmund gegen Schalke angepfiffen wird, werden die Fans deshalb Begriffe diskutieren wie "Anleihe" oder "TV-Vertrag". Und "Schulden". Immer wieder "Schulden". 677 Mill. Euro sollen es in der Liga insgesamt sein. "Viele Clubs haben in guten Zeiten viel Geld ausgegeben und sich zu wenig auf schlechte Zeiten eingestellt", sagt Björn Bloching, Partner der Unternehmensberatung Roland Berger.

Die sind jetzt da. Beispiel: das Problem TV-Vertrag. Der Rechtevermarkter Infront hat auf eine Verlängerung des Vertrags verzichtet. Schon träumt der Liga-Verband DFL vom eigenen Pay-TV, Experten halten das aber für illusorisch. Rund 270 Mill. Euro ließen sich vielleicht ab kommender Saison erzielen, glaubt Peter-Thilo Hasler, Fußballanalyst der Hypo-Vereinsbank - so viel hatte auch Infront geboten.

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