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09.01.2007

15:32 Uhr

Lebenslanges Lernen

Kredite sollen Weiterbildung fördern

VonBarbara Gillmann

Die Deutschen investieren deutlich weniger als andere Nationen in berufliche Fortbildung. Das soll sich jetzt ändern: Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) präsentiert am morgigen Mittwoch zwei Gutachten, die dem Handelsblatt exklusiv vorliegen. Beide empfehlen, die Weiterbildung außerhalb der Betriebe künftig mit drei Instrumenten zu fördern.

Nur ein Viertel der Erwerbstätigen in Deutschland bildet sich weiter. Bundesbildungsministerin Schavan will das ändern. Foto: dpa Quelle: dpa

Nur ein Viertel der Erwerbstätigen in Deutschland bildet sich weiter. Bundesbildungsministerin Schavan will das ändern. Foto: dpa

HB BERLIN. Zunächst soll vor allem das Vermögensbildungsgesetz für Bildung erweitert werden. Daneben soll der Bund verbilligte Bildungskredite anbieten. Zudem sollen Prämien von bis zu 154 Euro den Besuch eines Kurses außerhalb der Betriebe erleichtern, heißt es in den Gutachten, die dem Handelsblatt vorliegen. Schavan stellt die Vorschläge, zu deren Autoren auch der Wirtschaftsweise Bert Rürup zählt, heute vor. Es wird damit gerechnet, dass sie sich die Vorschläge zu eigen macht.

Bereits im Koalitionsvertrag haben Union und SPD vereinbart, dass das Vermögensbildungsgesetz für das Lebenslange Lernen geöffnet werden soll. Die Union hatte bereits 2005 einen entsprechenden Gesetzentwurf vorgelegt. Hintergrund ist, dass die Deutschen deutlich weniger als andere Nationen in berufliche Fortbildung investieren. Zudem beteiligen sich Geringqualifizierte und Ältere kaum. Insgesamt bildet sich nur ein Viertel der Erwerbstätigen weiter. Gefördert wird die Weiterbildung bislang nur im Einkommensteuerrecht, was jedoch Besserverdienende bevorzugt.

Die neuen Maßnahmen sollen deshalb vor allem Bezieher von kleinen und mittleren Einkommen zur Verbesserung ihrer Qualifikation motivieren. Grundsätzlich soll jedoch nur eine allgemeine berufliche Weiterbildung unterstützt werden, die die Chancen auf dem gesamten Arbeitsmarkt verbessert - nicht aber firmenspezifische, wie etwa das Erlernen eines neuen Computerrprogramms, das der Arbeitgeber gerade einführt.

Im Vermögensbildungsgesetz soll für die Bildung künftig eine Entnahme vor der sonst gültigen Sperrfrist von sieben Jahren möglich sein, ohne dass Zulagen verloren gehen. Damit könnten je nach Laufzeit von ein bis sieben Jahren Maßnahmen von 500 bis 3 500 Euro finanziert werden, heißt es.

Darlehen sollen die staatseigene KfW oder die Landesbanken anbieten - nach dem Vorbild der Studentenkredite, wenn auch etwas teurer, empfehlen die Gutachter. Beide Maßnahmen wären für den Staat ausgabenneutral, da bei der Vermögensbildung keine Zusatzkosten entstehen und bei den Darlehen die Banken das Ausfallrisiko tragen würden.

Die Prämie soll - wie bei der Vermögensbildung - bis zu einem Jahreseinkommen von 17 900 Euro (Verheiratete: 35 800) gezahlt werden. Dies würde Kosten von 40 - 50 Mill. Euro verursachen, heißt es in Regierungskreisen. Teilweise könnte dies aber wohl über den Europäischen Sozialfonds finanziert werden. Ende Januar veranstaltet der Bildungs- und Forschungsausschuss des Bundestages eine Experten-Anhörung zum Lebenslangen Lernen.

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