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09.01.2003

08:17 Uhr

Lebensversicherer von der Insel sind in der Krise flexibler, da sie weniger garantieren als ihre deutschen Konkurrenten

Briten wollen mit Alternativ-Policen punkten

VonHolger Alich

Die deutschen Lebensversicherer senken nun schon im zweiten Jahr hintereinander die Verzinsung der Sparguthaben ihrer Kunden. Britische Lebensversicherer versuchen, von diesem Imageschaden zu profitieren. Dabei kämpfen sie auf ihrem Heimatmarkt mit den gleichen Problemen wie die deutsche Konkurrenz.

DÜSSELDORF. Die Versicherungssparer in Deutschland sind durch Kürzungen ihrer Gewinnbeteiligungen in der Lebensversicherung verunsichert. Britische Lebensversicherer wie Clerical Medical und Standard Life sehen dadurch Chancen auf dem deutschen Markt. Zwar leiden auch die Briten unter dem schwachen Kapitalmarkt. Doch im Gegensatz zu den deutschen Lebensversicherern müssen sie für ihre Kunden keine festen Garantien erwirtschaften.

Derzeit ist am deutschen Markt zu beobachten, dass die kapitalstarken Lebensversicherer im Neugeschäft überproportional zulegen. Die Kunden suchen Sicherheit. "Die Flucht in die Qualität hilft uns sehr", sagt auch Bertram Valentin, Deutschlandrepräsentant von Standard Life gegenüber dem Handelsblatt. Er verweist auf ein Top-Rating der internationalen RatingAgentur Standard & Poor?s (Triple-A) und ein Aa2-Rating von Moody?s. "Bei der privaten Vorsorgeentscheidung hat die Frage nach der Finanzkraft eines Anbieters stark an Bedeutung gewonnen", so Valentin. Die Beitragseinnahmen im deutschen Neugeschäft haben 2002 um 44 % auf 109 Mill. Euro zugelegt. Der Bestand erhöhte sich auf insgesamt 158 000 Verträge. Ab diesem Jahr will Standard Life auch in den Wachstumsmarkt der betrieblichen Altersvorsorge einsteigen.

Auch Clerical Medical hat neue Produkte für diesen Bereich "in Vorbereitung", wie es in Luxemburg heißt. Das deutsche Geschäft boomt auch hier: Die Beitragseinnahme hat sich im ersten Halbjahr 2002 (neuere Zahlen liegen nicht vor) im Neugeschäft von 30 Mill. Euro auf rund 61 Mill. Euro verdoppelt.

Allerdings leiden die Versicherer in Großbritannien auch unter schwachen Aktienkursen und anhaltend niedrigen Zinsen. Etliche haben ihr Kapital im vergangenen Jahr aufstocken müssen, um ihr Rating zu stützen. Im Unterschied zu deutschen Lebensversicherern, die schon aus gesetzlichen Gründen weniger Erfahrung mit Aktieninvestments haben, sind die Versicherer von der Insel traditionell stärker in Aktien investiert. Bei Standard Life sind es in den zurückliegenden Jahren im Schnitt zwischen 65 und 85 % der Kapitalanlagen (zu Marktwerten) gewesen.

Das kann nur funktionieren, weil die Briten weniger garantieren. "Hohe Garantien schmälern langfristig die Renditechancen und nehmen den Gesellschaften die Flexibilität, mit diesen enormen Marktschwankungen umgehen zu können" sagt Valentin.

Daher bieten die beiden britischen Anbieter hier zu Lande nur eine Mini-Garantie. Ähnlich wie bei der Riester-Rente bekommt der Sparer am Ende zumindest die eingezahlten Beiträge zurück (Null-Verzinsung). Darüber hinaus sind die Anbieter in ihrer Anlage und Verzinsungs-Entscheidung frei. In den vergangenen Jahren haben die deutschen Kunden von Standard Life zum Beispiel pro Jahr 4 % auf ihr Sparguthaben gutgeschrieben bekommen. In diesem Jahr dürfte es nach der Börsenlage wohl eher weniger werden. Die bereits zugewiesenen Überschüsse sind den Kunden ebenfalls garantiert - allerdings nur, wenn sie bis Vertragsende durchhalten.

Einen anderen Weg versucht die deutsche Niederlassung von Legal & General. Das Unternehmen setzt ausschließlich auf fondsgebundene Policen, die nur direkt über Internet und Telefon abgeschlossen werden können. Da bei fondsgebundenen Policen der Kunde das Kapitalmarktrisiko trägt, läuft das Geschäft recht zäh. Von diesem Trend sind angesichts der Kapitalmarktkrise auch die deutschen Wettbewerber betroffen.

"Die Kunden suchen derzeit Garantien", räumt Norbert Ras ein, der die deutsche Legal & General Niederlassung leitet. Das Unternehmen startete im Sommer vergangenen Jahres und "hat so viele Policen verkauft wie der Internet-Lebensversicherer Mamax in dessen erstem Jahr", sagt Ras. Der reine Internet-Versicherer Mamax, eine Tochter des Mannheimer Konzerns, startete im Jahr 2001 und hatte bis Dezember 2001 ganze 480 Policen verkauft.

Quelle: Handelsblatt

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