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16.01.2010

10:00 Uhr

Leipziger Business School

HHL sucht Chef und Weg in schwarze Zahlen

VonStefani Hergert

Die Leipziger Business School zählt zu den besten in Deutschland. Sie kann zudem mit ihrer langen Geschichte punkten. Doch der Markt wird härter, die Schule muss darauf achten, den Anschluss zu halten - dafür braucht sie einen neuen Chef, der sie auch aus den roten Zahlen führt.

Studenten in der HHL: Die Leipziger Business School will die Zahl ihrer Studenten verdoppeln und so mehr Studiengebühren einnehmen. Pressebild

Studenten in der HHL: Die Leipziger Business School will die Zahl ihrer Studenten verdoppeln und so mehr Studiengebühren einnehmen.

LEIPZIG. Leipzig schlägt London und Paris. Zumindest für Fatima El-Khatib. Dass sie nicht in eine der wirtschaftlich stärksten Regionen zieht, war der Libanesin klar, doch in ihren Augen hat die Studentenstadt viel Potenzial. Entspannt und nett sei Leipzig, genau richtig für den MBA.

El-Khatib, die ihren ersten Uniabschluss in Dubai gemacht hat, studiert Vollzeit an der Handelshochschule Leipzig (HHL). Natürlich weiß sie, dass es in der Region nach dem Abschluss nicht viele Jobmöglichkeiten gibt, weil Leipzig das wirtschaftliche Hinterland fehlt. Doch das ist ihr egal. "Ich kann überall in Deutschland anfangen", sagt El-Khatib.

Mit Unterbrechung die älteste Business School Deutschlands

Denn trotz des Standortnachteils ist die HHL eine Business School, die zu den besten Deutschlands zählt - und als einzige in dieser Riege in Ostdeutschland sitzt. Jetzt geht es auf dem deutschen Markt darum, welche der wenigen guten Schulen es schafft, international sichtbar und etabliert zu werden. Die HHL hat gute Chancen, doch Finanzprobleme und die Suche nach einem neuen Chef könnten bremsen.

Dass die HHL nach der Wende so schnell in die Riege der besten deutschen Schulen aufgestiegen ist, liegt vor allem an ihrer Geschichte und der schnellen Wiedergründung. Die HHL rühmt sich damit, "Deutschlands älteste betriebswirtschaftliche Hochschule" zu sein. Gegründet 1898 hat sie eine bewegte Geschichte hinter sich - durchgängig hat es sie aber nicht gegeben. Denn nach dem Ende des zweiten Weltkriegs wurde das als Handelshochschule gegründete Institut geschlossen und später der Leipziger Universität zugeschlagen.

Neubeginn in privater Hand

Nach einer kurzen Phase als Hochschule für Binnenhandel wurde 1969 in der DDR die staatliche Handelshochschule Leipzig aus der Taufe gehoben, die zwar nach der Wende 1992 den Betrieb einstellen musste, aber nur wenige Tage später wiedergeboren wurde - als Handelshochschule in privater Hand.

Das spiegelt sich in der Gesellschafterstruktur wider. Je 45 Prozent halten die Industrie- und Handelskammer Leipzig (IHK) und die Gesellschaft der Freunde der Handelshochschule, weitere zehn Prozent gehören der Kramerstiftung der HHL, die nach der Wende auf Initiative der IHK ins Leben gerufen wurde.

Die HHL hat somit - im Vergleich zu Konkurrenten - eine Tradition, mit der sie punkten kann und die ihr einen gewissen Vertrauensbonus gewährt. Schon Eugen Schmalenbach, einer der herausragenden Wirtschaftswissenschaftler des vergangenen Jahrhunderts, studierte hier.

Während sich die staatlichen Universitäten nach der Wende erst einmal sammeln, sortieren und neu finden mussten, begann die HHL mit ihrem Aufstieg. Als einer der frühen Anbieter im jungen Markt setzte sie konsequent auf Qualität, was auch das wichtige Siegel der Organisation AACSB bezeugt.

Kommentare (10)

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Marco T.

17.01.2010, 13:42 Uhr

Ein guter Artikel. betriebswirte sind durchaus dafür bekannt, mit Zahlen zu jonglieren und Gestaltungsspielräume zu ihren Gunsten auszunutzen, wie man im Fall der Finanzkrise gesehen hat. Was die Leipziger business School hier aber mit dem Financial Times Ranking gemacht hat, ist nach meiner Meinung die Leute systematisch an der Nase herumgeführt. Das ist nicht seriös und gehört sich nicht - auch wenn man scheinbar mit Personal, Standort und Finanzen Probleme hat.

So macht man sich zukünftig weder für Studenten, selbst im Libanon, noch für Unternehmen interessant.

Michael H.

18.01.2010, 00:50 Uhr

Sehr interessanter bericht. interessant finde ich auch die Wortwahl an einigen Stellen. ich bin mir nicht sicher ob der negative Unterton in dem Artikel beabsichtigt ist oder eher zufällig Einzug hielt. Jedoch scheinen mir die Vorwürfe gegenüber der Handelshochschule wie auch der Region als solches leicht voreingenommen zu sein. Die Art und Weise wie die Daten bzgl. der Geschäftszahlen und des Rankings dargestellt werden, lassen die Hochschule in einem über die Maßen schlechten bild erscheinen. Positive Aspekte werden hingegen eher am Rande erwähnt oder ganz negiert. Sieht man sich bspw. die zu letzt veröffentlichten Jahresabschlüsse an (www.ebundesanzeiger.de), so betrug der Jahresfehlbetrag 2007 lediglich 18.000€. Hier kann wohl kaum von massiven Finanzproblemen die Rede sein. besonders wenn man von die Umsatzerlöse und bilanzsumme zum Vergleich heranzieht. Auch Leserkommentare darüber, dass „betriebswirte dafür bekannt sind mit Zahlen zu jonglieren“ bis sie ihnen passen, halte ich für ein wenig engstirnig. Eine ausgewogene und neutrale berichterstattung wäre hier doch sicher wünschenswert. Ansonsten muss man davon ausgehen Opfer einer ähnlich unsachlichen Kritik zu werden.

Jan

18.01.2010, 11:15 Uhr

Nun muss ich doch der Autorin und dem ersten Kommentator zur Sete stehen. Meiner Ansicht nach ist der Artikel sogar überaus wohlwollend, legt aber den Finger an den richtigen Stellen in die Wunde. Mehrfach wird erwähnt, dass die HHL durchaus Potenzial besitzt. Diese Meinung teilt nicht unbedingt jeder, der sich mit der Materie schon einmal näher beschäftigt hat (z.b. weil er einen MbA machen will). Vor allem bezüglich der Forschungsleistung liegt die HHL mit Sicherheit deutlich hinter den großen staatlichen Hochschulen.

Und die "Publicity", die die HHL um das Ranking der Financial-Times gemacht hat, ist unangebracht und lässt sie in keinem Licht erscheinen. Wer sich die Mühe macht und die Rankings genauer ansieht, der sieht, dass die HHL in dem eurpäischen Ranking Letzter (!!!) ist, übrigens deutlich hinter Mannheim und Köln, und in dem MbA-Ranking überhaupt nicht auftaucht. Dann vom besten deutschen MbA-Programm zu sprechen, wirkt peinlich und verzweifelt bemüht.

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