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15.01.2003

13:38 Uhr

"Leistung lohnt sich kaum"

Hundt: Lehrer künftig nach Leistung bezahlen

Arbeitgeberchef Dieter Hundt hat für die Lehrer in Deutschland ein neues Leistungslohn-System gefordert. Pädagogen, die mehr leisten als andere, sollten auch besser bezahlt werden, sagte Hundt am Mittwoch.

HB/dpa BERLIN. Hundt forderte die neue Präsidentin der Kultusministerkonferenz, Hessens Schulministerin Karin Wolff (CDU) auf, diese Forderung in die geplanten Gespräche über eine neue Gehaltsstruktur im öffentlichen Dienst einzubringen. Diese Gespräche waren bei dem jüngsten Tarifabschluss zwischen den Gewerkschaften und öffentlichen Arbeitgebern verabredet worden.

"Das bisherige Beamten- und Besoldungssystem ist in Sachen Leistungslohn viel zu starr und zu antiquiert." Es spiele fast keine Rolle, "ob jemand in der Schule engagiert und kompetent arbeitet oder nur Routinedienst absolviert", sagte Hundt. "Unterm Strich gilt, dass sich für Lehrer Leistung kaum lohnt." Die Bundesrepublik stehe zudem vor einem wachsenden Lehrermangel. "Der Beruf ist für ambitionierte junge Leute zu unattraktiv. Ein leistungsorientiertes Anreizsystem ist schon deshalb unverzichtbar."

Nach den Vorstellungen Hundts könnte sich der neue Leistungslohn für Lehrer an Erfahrungen orientieren, die die Wirtschaft bei der Bezahlung ihrer Führungskräfte gemacht habe. So könnten Lehrer und Schulleitung gemeinsam bestimmte Ziele vereinbaren, die im Unterricht erreicht werden müssen. "Im Fach Deutsch kann dies zum Beispiel das Ziel sein, die Rechtschreib- und Grammatikleistungen der Klasse nachhaltig zu verbessern." Dies könne aber auch eine professionell gestaltete Theateraufführung an der Schule sein.

Auch wer als Lehrer an einer Schule mit einem schwierigen sozialen Umfeld arbeite, sollte eine überdurchschnittliche Bezahlung erhalten, forderte Hundt. Der Arbeitgeberchef begrüßte es, dass Länder wie Bayern, Sachsen, Rheinland-Pfalz und demnächst Baden-Württemberg den Schulleitungen einen eigenen Etat für Leistungszulagen eingeräumt hätten. "Über dieses Verfahren habe ich bisher nur Positives gehört."

Im Vorreiter-Land England könne das Pädagogen-Gehalt mit Zulagen um bis zu 20 Prozent aufgestockt werden. Hundt forderte zudem "eine neue Prioritätensetzung zu Gunsten der Grund- und Hauptschullehrer." Die neue Kultusminister-Präsidentin Wolff wird an diesem Donnerstag in Berlin offiziell in ihr neues Amt eingeführt.

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