Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

14.02.2001

14:35 Uhr

dpa HAMBURG/BERLIN. Die Bundesregierung steuert eine grundlegende Reform des Gesundheitssystems an. Ziel sei es, die Leistungsfähigkeit der Gesundheitsversorgung zu sichern, teilte das Gesundheitsministerium am Mittwoch mit. Dabei solle auch über den Leistungskatalog der Krankenkassen und mehr Eigenverantwortung der Patienten diskutiert werden. Beifall kam umgehend aus der FDP, die Grünen warnten vor einer Zwei-Klassen-Medizin.

Ministerin Ulla Schmidt (SPD) dementierte Berichte über eine "Geheimoperation" und eine Anweisung von Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) zu einer "radikalen Reform" nach 2002. Die Diskussion solle transparent, nachvollziehbar und ohne Hektik geführt werden.

Magazin berichtete über Reformkonzept bis 2002

Das Magazin "Stern" berichtet in seiner neuen Ausgabe, Schröder habe bei Schmidt bis zur Wahl 2002 ein Reformkonzept angefordert, das die Leistungen der gesetzlichen Krankenversicherung auf eine Art Grundversorgung reduziert und den Mitgliedern höhere Eigenverantwortung auferlegt. So würde die paritätische Finanzierung durch Arbeitnehmer und Arbeitgeber aufgegeben.

SPD-Fraktionschef Peter Struck wolle den Wählern schon vor der Wahl klar sagen, was sie gesundheitspolitisch erwarte, schreibt das Magazin. Die SPD "darf keine weiße Salbe ins Wahlprogramm schreiben", sagte er dem "Stern". Der parteilose Wirtschaftsminister Werner Müller wird mit den Worten zitiert: "Das wird eine Revolution. Aber wir müssen ja irgendwann einmal damit anfangen." Der "Wirtschaftsweise" Bert Rürup schlug eine "Praxisgebühr von zum Beispiel 20 DM" vor, die bei jedem Arzt-Besuch mit einer neuen Krankheit vom Patienten an die Krankenkasse zu entrichten wäre.

Das Gesundheitsministerium bezeichnete Vorschläge für eine Einführung von Grund- und Wahlleistungen oder einer Praxisgebühr als "völlig aus der Luft gegriffen". Es sei "unverantwortlich, derart Angst und Unsicherheit zu schüren".

Teure Patienten sollen in einen "Hochrisikopool" einzahlen

Die Wochenzeitung "Die Zeit" berichtet in ihrer neuen Ausgabe, für teure Patienten solle nach einer vom Ministerium in Auftrag gegebenen Studie künftig weitgehend ein neuer "Hochrisikopool" zahlen. Für Patienten, die mehr als 20 000 DM Kosten pro Jahr verursachten, sollten die betroffenen Kassen nur noch zu 20 % direkt aufkommen, empfehle das Gutachten des Berliner Instituts für Gesundheits- und Sozialforschung (IGES). Der Pool solle sich aus dem Risikostrukturausgleich speisen, dem Finanzausgleich der Kassen.

Die Parlamentarische Geschäftsführerin der Grünen im Bundestag, Katrin Göring-Eckardt betonte, medizinisch notwendige Leistungen müssten auch weiterhin solidarisch finanziert werden.

Nach Angaben des Statistischen Bundesamts wird in Deutschland immer mehr Geld für die Gesundheit ausgegeben. 1998 waren es 412,7 Mrd. DM. Das entspreche knapp 11 % des Bruttoinlandsproduktes, teilte das Wiesbadener Amt mit. Dazu kämen 116,7 Mrd. DM an Einkommensleistungen wie Krankengeld oder Entgeltfortzahlungen während der Mutterschaft. Die Gesundheitskosten stiegen demnach von 1992 bis 1998 in Deutschland nominal um 28,7 %. Im Vergleich zum Bruttoinlandsprodukt (+22,9 %) ist dies ein überdurchschnittlicher Zuwachs.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×