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23.01.2003

08:23 Uhr

„Leitbild des ehrbaren Kaufmanns“

Nachgefragt: Bernd Fahrholz

Das Handelsblatt hat Bernd Fahrholz, den Vorstandschef der Dresdner Bank, zur Vertrauenskrise allgemein und zum mangelnden Vertrauen in die Finanzmärkte befragt.

Handelsblatt: Was sind die Hauptgründe der internationalen Vertrauenskrise?

Bernd Fahrholz: Den Anfang machte das Platzen der New-Economy-Blase. Kriminelle Vorgänge bei Unternehmen wie Enron oder Worldcom verstärkten den Vertrauensverlust. Aber auch Banken, Wirtschaftsprüfer und nicht zuletzt staatliche und unternehmenseigene Aufsichtsgremien haben Fehler gemacht.

Was erwarten Sie vor diesem Hintergrund vom Bankenjahr 2003?

Für die gesamte Branche wird es kein leichtes Jahr. Alle müssen ihre Hausaufgaben machen. Auch für die Dresdner Bank gilt: Wir müssen die Kosten weiter senken und die Erträge steigern. Mit unserem Turnaround-Programm sind wir dabei auf einem guten Weg. Wir dürfen in unseren Anstrengungen aber nicht nachlassen.

Welche Maßnahmen muss die Kreditwirtschaft ergreifen, um das Vertrauen von Investoren und Kreditnehmern wiederzugewinnen?

Die Vertrauenskrise ist nicht allein ein deutsches Problem. Um das Vertrauen wieder herzustellen, müssen Banken und Unternehmen generell für mehr Offenheit und Transparenz sorgen und gleichzeitig auf die veränderten Kundenwünsche eingehen. Konkret bedeutet das: Privatanleger fragen immer mehr innovative Produkte nach, die ein hohes Maß an Sicherheit bieten.

Was muss zur Überwindung der Krise der Lebensversicherungen unternommen werden?

Ein Aufschwung an den Kapitalmärkten wird auch die Lebensversicherungen stärken. Probleme haben im Übrigen vor allem kleinere Versicherer. Die Kunden haben darauf bereits reagiert. Größe und Qualität sind wieder die entscheidenden Argumente beim Abschluss neuer Policen.

Wird sich die Börse 2003 erholen?

2003 muss zum Jahr des wiedergewonnenen Vertrauens werden. Dafür müssen Wirtschaft und Politik jede für sich ihre Hausaufgaben machen und an einem Strang ziehen. Einen neuen Börsenboom wird es in diesem Jahr jedoch wohl kaum geben. Viel hängt auch von der Entwicklung im Irak und damit vom Ölpreis ab.

Welche vertrauensbildenden Maßnahmen schlagen Sie vor - seitens der öffentlichen Hand und Wirtschaft?

Auch Deutschland braucht ein Turnaround-Programm. Großer Reformbedarf besteht vor allem in den Bereichen Arbeitsmarkt, soziale Sicherungssysteme und Bildung. Für die Wirtschaft gilt: Das Leitbild des ehrbaren Kaufmanns muss eine Renaissance erleben. Insgesamt brauchen wir eine Rückbesinnung auf Werte wie Wahrhaftigkeit, Verantwortungsbewusstsein und Gemeinsinn.

Die Fragen stellte Hermann-Josef Knipper.

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