Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

14.01.2003

08:27 Uhr

Leo Kirch soll Einstieg bei der angeschlagenen Medienfirma finanziert haben

EM.TV wird für Klatten langsam zum Albtraum

VonCaspar Busse (Handelsblatt)

Die Münchener Medienfirma EM.TV kommt nicht zur Ruhe. Jetzt gerät Vorstandschef Werner Klatten unter Druck. Angeblich stand Leo Kirch hinter Klattens Einstieg bei EM.TV. Hat Klatten davon gewusst?

Werner Klatten träumte vom Wiederaufstieg in die erste Liga mit EM.TV. Montage: Handelsblatt Online

Werner Klatten träumte vom Wiederaufstieg in die erste Liga mit EM.TV. Montage: Handelsblatt Online

MÜNCHEN. "Für mich wird ein Traum wahr", freute sich Werner Klatten im Sommer 2001. Damals übernahm der kühle Hamburger die Führung und knapp ein Viertel der Anteile der angeschlagenen Münchener Medienfirma EM.TV. Der heute 57-Jährige hatte viel vor: Er wollte EM.TV wieder neuen Glanz verleihen, und er dachte an den Kauf weiterer "unterbewerteter Medientitel". Klatten träumte vom Aufstieg in die erste Liga.

Doch daraus wurde nichts. Im Gegenteil: Die Sanierung von EM.TV ist weitaus schwieriger als gedacht. Seit diesem Wochenende dürfte Klatten wohl endgültig seinen Einstieg bei EM.TV bereuen. Denn der "Spiegel" enthüllte, dass der gefallene Medienunternehmer Leo Kirch und sein ehemaliger Vize Dieter Hahn zu den Hintermännern von Klattens Engagements bei EM.TV gehört haben sollen.

Sollte Klatten davon gewusst haben - was er heftig dementiert -, stehen sein Ruf und seine Karriere auf dem Spiel. Dabei geht es nicht nur um die Zukunft von EM.TV. Der Manager galt zuletzt auch als Kandidat für den Chefsessel beim Fernsehkonzern Pro Sieben Sat 1 Media AG. Denn der Hamburger berät seit Jahren auch den Verleger Heinz Bauer, der den Münchener TV-Konzern aus der Konkursmasse Kirchs übernehmen will.

Klatten hatte 2001 EM.TV-Gründer Thomas Haffa 24,8 % der Firmenanteile abgekauft. Die unbekannte niederländische Constant Ventures finanzierte den Deal. Nach "Spiegel"-Recherchen gab es aber enge Beziehungen zwischen den Niederländern und Leo Kirch. Für den Fall, dass Klatten bei EM.TV wieder aussteigt, sollten Kirch und Hahn zum Zuge kommen. Damit sollte wohl sicher gestellt werden, dass EM.TV nicht in fremde Hände gerät.

Die Sache ist brisant. Schon Klatten-Vorgänger Haffa war ein enger Vertrauter von Leo Kirch. Wie sich auch beim derzeit vor dem Münchner Landgericht laufenden Haffa-Prozess zeigt, waren die Geschäftsbeziehungen zwischen EM.TV und Kirch immer eng. Eine Hand wusch die andere. Kirch-Zögling Thomas Haffa half seinem Lehrmeister mehr als einmal aus der Patsche - und umgekehrt.

Auch bei Klattens überraschendem Einstieg bei EM.TV Mitte 2001 gab es Gerüchte, der Hamburger sei lediglich ein Strohmann von Kirch - zumal die Finanzierung seines Engagements lange im Dunkeln blieb. Seit Herbst 2000 hatte sich Kirch intensiv um den Einstieg bei EM.TV bemüht. Insbesondere die lukrative Formel1-Beteiligung sollte in den - inzwischen zusammengebrochenen - Medienkonzern integriert werden. Doch die Verhandlungen mit Haffa scheiterten.

Aus dem Nichts tauchte dann Klatten auf. Der damalige "Spiegel"-Manager hatte von 1988 bis 1993 den Kirch-Sender Sat 1 geführt. Als neuer EM.TV-Herrscher betonte er aber immer wieder seine Unabhängigkeit von Kirch. Am Wochenende teilte er mit, von den angeblichen Beziehungen zwischen Kirch und Constant Ventures nichts gewusst zu haben. "Ich erkläre, dass zu keinem Zeitpunkt Absprachen jedweder Art zwischen mir und Leo Kirch beziehungsweise zwischen mir und Unternehmen der früheren Kirch-Gruppe bezüglich einer wirtschaftlichen Unterstützung meines Investments in EM.TV oder bezüglich der Unternehmensführung von EM.TV bestanden", stellte Klatten nun klar. Er will die Aussagen jederzeit auch unter Eid wiederholen. Und erstmal selbst herausfinden, wer ihn eigentlich finanziert hat.

Dass Klatten nichts gewusst hat, gilt in Münchener Medienkreisen durchaus als glaubwürdig. Der düpierte Klatten selbst spricht von einem "eklatanten Vertrauensbruch" durch seinen Finanzier. Den Chefposten bei EM.TV will Klatten nicht aufgeben. Sein Vorstandsamt sei durch die Vorgänge nicht berührt. Sicher ist aber, dass der Ausflug des Hamburgers nach München langsam zum Albtraum wird.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×