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18.03.2003

14:10 Uhr

Letzter Tag für UNMOVIC

Waffeninspektoren und Ausländer verlassen Irak

In Erwartung eines Militärschlages der USA und ihrer Verbündeten gegen Irak hat ein Großteil der Uno-Waffeninspektoren das Land am Dienstag verlassen. "Das ist unglücklich, aber wir müssen gehen", sagte der Sprecher der Inspektoren, Hiro Ueki, bevor er das Flugzeug nach Zypern bestieg. Ein zweites Uno-Flugzeug stand in Bagdad bereit.

Reuters BAGDAD. Außer den Inspektoren sollten auch alle ausländischen Mitarbeiter von Uno-Hilfsorganisationen das Land noch am Dienstag verlassen. Dies gehe zu Lasten der irakischen Bevölkerung und deren Versorgung mit Lebensmitteln, kritisierte die irakische Führung. Iraks Nachbarland Jordanien bereitete sich unterdessen auf einen Ansturm von Flüchtlingen vor. Ausländer und reiche Iraker verließen mit Taxis das Land. British Airways kündigte die Einstellung des Flugverkehrs aus Kuwait an.

Inspektoren: Traurig, Arbeit nicht beenden zu können

"Wir sind traurig, dass die Arbeit, die wir beenden wollten, nicht beendet wurde", sagte der Uno-Sprecher. Die Inspektoren waren nach vierjähriger Abwesenheit im November 2002 nach Irak zurückgekehrt, um die Abrüstung des Landes zu überwachen. Die USA erklärten die Bemühungen der Uno, das Land auf friedlichem Weg zur Abrüstung zu bewegen, jedoch für gescheitert und empfahlen den Inspektoren auszureisen. Die USA drohen Irak mit Krieg, wenn Präsident Saddam Hussein das Land nicht binnen 48 Stunden verlässt.

Irak warf Uno-Generalsekretär Kofi Annan vor, sich dem Druck der USA gebeugt zu haben. Den Preis für ein Ende des Uno-Hilfsprogramms Öl-für-Lebensmittel werde die irakische Bevölkerung zahlen, hieß es in Bagdad.

Das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen rechnet mit bis zu 900 000 Flüchtlingen, die im Falle eines Irak-Krieges das Land verlassen könnten. Die Organisation baute nach eigenen Angaben Lagerbestände in der Golfregion auf, um die Flüchtlinge etwa zweieinhalb Monate lang versorgen zu können.

Nachbarländer wie Jordanien bereiteten sich ebenfalls auf eine große Zahl irakischer Flüchtlinge vor. Jordanien errichtete zwei Auffanglager in der Grenzregion zu Irak. Damit solle verhindert werden, dass die Flüchtlinge unkontrolliert in das Land strömten, sagte ein Behördensprecher. "Wir werden die Grenze schließen, aber einige werden wir aus humanitären Gründen reinlassen." Während des Golfkriegs 1991 waren rund zwei Mill. Menschen nach Jordanien geflohen. Flüchtlingen anderer Nationalitäten werde die Durchreise durch Jordanien ermöglicht, hieß es weiter.

Großbritannien rief britische Staatsbürger dazu auf, neben Kuwait auch Jordanien und Bahrain zu verlassen. Es bestehe die Gefahr von chemischen und biologischen Angriffen Iraks in diesen Ländern sowie terroristischen Anschlägen auf britische Einrichtungen. Die Fluggesellschaft British Airways kündigte an, ihren Flugverkehr von und nach Kuwait am Dienstagabend einzustellen. Für den letzten Flug um 21.25 Uhr ab Kuwait-Stadt gebe es keine Plätze mehr, teilte das Unternehmen mit.

Andere Ausländer und reiche Iraker verließen Irak mit Taxis Richtung Jordanien. "Es sind nur Ausländer und Reiche (Iraker)", sagte ein Taxifahrer in Ruweisched in Jordanien, von wo aus Taxis zwischen Irak und Jordanien pendeln. Einige Iraker kehrten derweil in ihr Land zurück, um ihre Familien vor einem Krieg in Sicherheit zu bringen. "Wenn der Krieg in vier Tagen kommt, könnte ich noch eine Chance haben, sie rauszubekommen", sagte ein irakischer Geschäftsmann in einem Taxi von Jordanien nach Bagdad. Er wollte versuchen, noch Visa für seine schwangere Frau und seine Kinder zu bekommen, damit die Familie gemeinsam das Land verlassen könne.

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