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24.01.2002

16:17 Uhr

Leuna-Affäre: Ex-Elf-Chef schreibt Brief an den Altkanzler

Ex-Elf-Chef entschuldigt sich bei Kohl

Der ehemalige Chef des französischen Ölkonzerns Elf Aquitaine, Loik Le Floch-Prigent, hat sich im Zusammenhang mit der Affäre um die Privatisierung der Raffinerie Leuna bei Altkanzler Helmut Kohl (CDU) entschuldigt.

dpa BERLIN. "Wenn jemals mein Tun oder meine Absichten Ihnen irgendwelchen Schaden hat zufügen können, so liegt mir viel daran, mich dafür zu entschuldigen", schrieb Le Floch-Prigent an Kohl in einem Brief von Ende Januar. Aussagen von Le Floch-Prigent waren in der Vergangenheit als Indiz dafür gewertet worden, dass der Mineralölkonzern Bestechungsgelder an deutsche Politiker gezahlt haben könnte.

So hatte Le Floch-Prigent in einem Interview vor einiger Zeit erklärt, der Konzern habe auch in Deutschland "afrikanische Methoden" angewandt. Dies war als Hinweis auf Bestechungszahlungen gewertet worden. Der Untersuchungsausschuss des Bundestages hatte auch auf Grund dieser Aussage noch einmal die Privatisierung der Raffinerie, die 1992 an Elf zu einem Milliardenpreis ging, unter die Lupe genommen. Beweise für eine Bestechung deutscher Politiker hatte das Gremium aber nach übereinstimmender Auffassung nicht gefunden.

Kohl hatte bei seinen Auftritten immer bestritten, dass seine Regierung bestechlich gewesen sei. Gegen Le Floch-Prigent wird in Frankreich auch offenbar im Zusammenhang mit Leuna ermittelt. In dem Brief an Kohl betonte Le Floch-Prigent, dass er im Juli 1992 im Kanzleramt nicht Kohl selbst, sondern nur seinen damaligen Kanzleramtsminister Friedrich Bohl getroffen habe. Es hatte zuvor auch andere Spekulationen gegeben.

In dem Schreiben heißt es auch: "Meine Nachfolger an der Spitze von Elf werden eines Tages für ihr Tun gerade stehen müssen; doch was mich betrifft, so versichere ich Ihnen, dass meine Firma einen völlig offiziellen Lobbyingvertrag geschlossen hatte, der der französischen Verwaltung und der Regierung bekannt war".

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