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09.06.2000

15:55 Uhr

Linksextremisten werfen britischem Militärattaché Verantwortung für die Bombardierung Jogoslawiens vor

Griechische Untergrundorganisation rechtfertigt Diplomatenmord

afp ATHEN. Die linksgerichtete griechische Untergrundorganisation 17. November hat den tödlichen Anschlag auf den Militärattaché der britischen Botschaft in Athen mit dessen Rolle im Kosovo-Konflikt gerechtfertigt. Die Gruppe schickte einen entsprechenden Bekennerbrief an die linksgerichtete Tageszeitung "Eleftherotypia". Zugleich bekannte sich die Untergrundgruppe darin zu einer Serie von Anschlägen aus dem Frühjahr 1999, darunter einen Raketenangriff auf die Residenz des deutschen Botschafters in Athen am 16. Mai sowie Anschläge auf drei Filialen internationaler Banken. Bei dem Attentat am Donnerstag war der britische Militärattaché Stephen Saunders in seinem Dienstwagen von zwei Attentätern erschossen worden.

Saunders sei an "der Planung der Bombardements gegen Jugoslawien" beteiligt gewesen, erklärte die Untergrundgruppe in ihrem Schreiben. Die Erklärung ist den Angaben zufolge mit "März 2000" datiert. Der Attaché sei einer der Verantwortlichen des "Naziverbrechens" im vergangenen Jahr sowie den "Mord an tausenden Zivilisten" gewesen, hieß es in der Erklärung unter Anspielung auf die NATO-Luftangriffe auf Jugoslawien. Die "englische Politik", die durch Premierminister Tony Blair, Außenminister Robin Cook und NATO-Generalsekretär George Robertson vertreten werde, übertreffe mit "Zynismus und Provokationen" noch die "Politik der USA". Die NATO, die EU und die USA seien ebenso verantwortlich für "Massaker an Zivilisten".

In der Erklärung vergleicht der 17. November die NATO mit dem Naziregime. Selbst "die Nazis haben keine Luftangriffe auf Zivilisten gewagt", "zumindest" nicht während der ersten Angriffe auf England 1940. Ein "Vergleich der NATO-Bombardements mit Hitlers Aktionen" beweise "eindeutig das barbarische Niveau der westlichen Demokratien". Der Luftkrieg gegen Jugoslawien "gleicht" dem Einmarsch der deutschen Wehrmacht in die damalige Tschechoslowakei. Ebenso wie "Hitler das Münchener Abkommen" von 1938 verletzt habe, habe die NATO die Resolution 1244 des UN-Sicherheitsrates gebrochen.

Ballistische Untersuchungen der am Tatort gefundenen vier Patronenhülsen deuten nach Polizeiangaben darauf hin, dass dieselbe Waffe vom Kaliber 45 bereits bei fünf weiteren Morden der Terrorgruppe zwischen 1980 und 1997 benutzt wurde. Die Gruppe 17. November wird von den USA als eine der gefährlichsten Untergrundorganisationen der Welt eingestuft. Bislang konnten die griechischen Behörden noch kein einziges Mitglied der Gruppe festnehmen. Der ehemalige CIA-Direktor James Woolsey hatte "Personen in der griechischen Regierung" in einem am Donnerstag veröffentlichten Zeitungsinterview beschuldigt, "bestimmte Mitglieder" der Gruppe zu kennen.

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