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04.04.2003

14:00 Uhr

Lipobay-Freispruch beflügelt

Bayer-Aktie legt kräftig zu

Nach einem erneuten Freispruch im Zusammenhang mit dem zurückgerufenen Medikament Lipobay haben die Aktien des Pharma- und Chemiekonzerns-Bayer am Freitag deutlich zugelegt. Analysten werteten das Gerichtsurteil als Zeichen dafür, dass mögliche Schadenersatzzahlungen von Bayer nicht so hoch wie ursprünglich befürchtet ausfallen dürften.

Reuters FRANKFURT. Die Titel stiegen nach Handelsbeginn um über sechs Prozent auf 14,27 ?. Am Nachmittag lagen die Aktien noch fünf Prozent im Plus bei 14,07 ?. Am Vorabend hatte Bayer mitgeteilt, in einem zweiten Verfahren um den Cholesterinsenker Lipobay (Baycol) von jeglicher Haftung freigesprochen worden zu sein. Eine Konzernsprecherin sagte am Freitag zudem, dass die Zahl der außergerichtlichen Einigungen gestiegen sei. Einzelheiten werde Bayer im Laufe des Monats nennen. Lipobay steht im Verdacht als Nebenwirkung Muskelschwäche mit tödlichem Ausgang verursachen zu können.

Analysten begrüßen Freispruch

Silke Stegemann, Analystin der Landesbank Rheinland Pfalz, stufte die Gerichtsentscheidung positiv ein. "Die zwei Urteile sind ein Indikator, der in eine positive Richtung zeigt", sagte Stegemann. Im März hatte ein Gericht im US-Bundesstaat Texas erstmals zu Gunsten des Leverkusener Konzerns entschieden.

Auf Grund der Unsicherheit über die Höhe möglicher Zahlungen hatte die Bayer-Aktie seit Jahresanfang rund 50 % an Wert verloren. Die Schätzungen über die Höhe möglicher Zahlungen reichten in der Vergangenheit von einer bis zehn Mrd. ?. "Bayer ist vom Markt zu hoch abgestraft worden, weil vom 'worst case scenario' ausgegangen worden war", sagte Stegemann. "In unserem Szenario gehen wir von einer Schadenersatzsumme von bis zu 2,5 Mrd. ? aus. Jetzt muss man erst mal schauen, wie es sich mit den Sammelklagen verhält", fügte sie hinzu.

In Minneapolis läuft zurzeit ein Zulassungsverfahren für eine Lipobay-Sammelklage. Sollte der Ausgang des Verfahrens positiv sein, gebe es für den Aktienkurs ein deutliches Potenzial nach oben, sagte Gerd Schubert, Fondsmanager bei der Deka-Bank. Die ungünstigste Entwicklung, die derzeit im Kurs mit eingerechnet sei, werde anscheinend nicht eintreten.

Zudem haben sich Analysten zufolge für Bayer nun die Chancen verbessert, sich gegen noch anhängige Klagen zu verteidigen. "Es werden sicherlich mehr Klagen kommen und Bayer hat gute Chancen, zu gewinnen", kommentierte Merril Lynch-Analyst James Knight. "Dass Bayer beide Verfahren gewonnen hat, gibt einem das Gefühl, dass diese Art von Albtraum-Szenarien zum Schadenersatz, über die zuvor geredet wurde, nicht mehr eintreffen werden", fügte er hinzu. "Jeder weitere Fall wird Bayer stärken und vermutlich dazu führen, dass einige unberechtigte Schadensfälle zurückgezogen werden", ergänzte ein Londoner Pharma-Analyst.

Nächster Lipobay-Prozesstag wohl am 21. April

Im jüngsten Fall hatte eine 70 Jahre alte Frau aus dem US-Bundesstaat Mississippi auf 50 000 Dollar Schadenersatz wegen Muskelschmerzen und-schwäche im Zusammenhang mit der Einnahme von Lipobay geklagt. Im ersten Einzelverfahren hatte ein 82-jähriger Mann Bayer auf 560 Mill. Dollar verklagt, weil Lipobay bei ihm Muskelschwund verursacht haben soll. Nach Bayer-Angaben soll der nächste Lipobay-Prozess am 21. April in Fort Worth in Texas beginnen.

Bayer hatte das Medikament 2001 vom Markt genommen. Insgesamt werden rund 100 Todesfälle mit Lipobay in Zusammenhang gebracht. Bisher gab es rund 8400 Klagen in den USA. Der Leverkusener Konzern hat nach früheren Angaben rund 500 Klagen gegen Zahlung von 140 Mill. ? ohne Haftungseingeständnis außergerichtlich beigelegt.

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