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21.02.2006

11:48 Uhr

Lipskys Weltsicht

Robuste US-Märkte

VonJohn Lipsky, Vice-Chairman JP Morgan Securities

Es bedürfte schon eines Paukenschlags, um die US-Finanzmärkte aus der Ruhe zu bringen. Weder die jüngsten Konjunkturdaten noch das Debüt von Fed-Chef Ben Bernanke vor dem US-Kongress in der vergangenen Woche besaßen diese Durchschlagskraft.

Tatsächlich wiesen die maßgeblichen Daten auf einen stärker als erwartet ausgefallenen Start für das Wachstum im laufenden Jahr hin. Und die Anhörung von Bernanke war farbloser als erhofft. Der US-Anleihemarkt reagierte mit einem gelangweilten Gähnen: Die zehnjährigen Staatsanleihen rentierten zum Wochenschluss mit 4,54 Prozent– genau wie schon vor einigen Wochen.

Allgemein gesagt, stimmen die Kurse an den Finanzmärkten weiterhin mit den Erwartungen der Anleger auf ein solides Wachstum mit stabiler bis niedrigerer Inflation überein. Gleichzeitig zögern die Marktteilnehmer, diese Überzeugung auf Grund der jüngsten Konjunkturdaten zu ändern. Dieses Widerstreben zeigt, dass die Investoren den verzerrenden Einfluss erkannt haben, den ungewöhnliche Witterungsverhältnisse und die Ausschläge bei den Energiepreisen haben. Dazu kommt, dass die Konjunkturdaten am Jahresanfang typischerweise überempfindlich auf die anzunehmende Saisonbereinigung reagieren.

Daher wurden die jüngsten US-Daten von den Anlegern so aufgenommen, als ob sie vor allem anderen eine natürliche Erholung beim zuvor von den Energiepreisen gedrückten Wachstum widerspiegelten. Zudem wurde dem ungewöhnlich milden Wetter im Januar Rechnung getragen, das die Saisonbereinigung außergewöhnlich schwierig gemacht hat. Und so dürften auch die für diese Woche zur Veröffentlichung anstehenden Konjunkturdaten wahrscheinlich keine starken Signale für die Märkte aussenden.

Die erste Anhörung von Bernanke vor dem Kongress war von Vorsicht geprägt. Die Betonung lag auf der kontinuierlichen Fortsetzung der bereits bestehenden Präferenzen in der Politik der Notenbank. Zugleich waren die Bemerkungen des obersten Währungshüters so ungriffig formuliert, dass sie auch keinerlei Veränderung der bereits bestehenden Erwartungen an die künftigen geldpolitischen Schritte der Fed ausgelöst haben. Das künftige Vorgehen der Notenbank, hieß es, „hänge von den Konjunkturdaten ab“. Welche Daten das aber genau sind, ließ Bernanke im Dunkeln.

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