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10.01.2006

11:19 Uhr

Lipskys Weltsicht

Struktur der Zinsen kippt

VonJohn Lipsky (Vice-Chairman JP Morgan Securities)

Der US-Anleihemarkt zeigte sich in der vergangenen Woche wenig verändert – obwohl wichtige Konjunkturdaten veröffentlicht wurden. Die Renditen der zweijährigen und der zehnjährigen Bonds waren leicht rückläufig und lagen am Ende der Woche bei 4,35 Prozent.

HB DÜSSELDORF. Keine spektakuläre Bewegung, aber ein Schritt weiter zu einer inversen Zinsstruktur, bei der die langfristigen Sätze unter den kurzfristigen liegen.

Geht man von den derzeitigen Anleihenotierungen aus, dann rechnen die Anleger immer noch damit, dass die US-Notenbank Federal Reserve beim Treffen ihres Offenmarktausschusses am 31. Januar mit einer Wahrscheinlichkeit von buchstäblich hundert Prozent die Leitzinsen um 25 Basispunkte anhebt. Der Zielsatz für Fed Funds würde damit von 4,25 auf 4,5 Prozent steigen.

Gleichzeitig scheinen die Investoren aber nicht von einer fortgesetzten Beschleunigung der US-Kerninflation auszugehen. Die jüngsten Konjunkturdaten stützen diese Einschätzung. So spiegeln etwa die Indikatoren für den Immobiliensektor nachgebende Preise wider. Der Kfz-Absatz war ebenfalls rückläufig, was erneute Preissenkungen auslösen wird. Die Zuwächse im Weihnachtsgeschäft waren trotz der Preisrücknahmen auf breiter Front nur mäßig. Und der Stellenzuwachs bleibt moderat, eine anhaltende Beschleunigung der Löhne zeichnet sich nicht ab.

Daher gehen die Investoren davon aus, dass eine Zinserhöhung Ende Januar den Zielsatz für Fed Funds über die Renditen der Langläufer anhebt. Anders ausgedrückt: Die Anleger erwarten von einer neuerlichen Straffung der Kreditzügel durch die US-Notenbank eine Inversion der Renditekurve bei den Anleihen. Und die Anleger nehmen an, dass diese Umkehrung für längere Zeit anhält. Sie rechnen aber nicht mit einer Wachstumsschwäche, auch wenn bei sechs der vergangenen sieben ähnlichen Perioden die Rezession auf dem Fuß folgte.

Die Anleger haben Recht: Im derzeitigen Umfeld niedriger Inflation dürfte eine moderat ausgeprägte Umkehrung der Renditekurve das Wachstum nicht gefährden. Schließlich waren alle früheren Inversionen aus dem Bemühen der Fed entstanden, eine Teuerung zu verringern. Im Moment geht es nur darum, eine stabile Situation abzusichern. Allerdings haben die Währungshüter ihre Absichten nicht hinreichend deutlich gemacht.

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