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07.03.2003

10:09 Uhr

Lob für neue Qualifikation

Schumacher gelangweilt und geschlagen

Der geschlagene Weltmeister Michael Schumacher war "ein wenig enttäuscht" und fand das erste Einzel-Zeitfahren in der Formel-1-Geschichte "am Ende ein bisschen langweilig". Sein in Melbourne im ersten Akt noch langsamer unterwegs gewesener Bruder Ralf dagegen war nach der Premiere im Albert Park hellauf begeistert: "Das Ganze war etwas aufregender als sonst."

Ein Blick auf die Kollegen kann nicht schaden. Foto: dpa

Ein Blick auf die Kollegen kann nicht schaden. Foto: dpa

HB/dpa MELBOURNE. Auch BMW-Sportdirektor Gerhard Berger lobte: "Es ist toll, wenn man ein Auto über eine ganze Runde so konzentriert beobachten kann." Ebenfalls zufrieden war sein Kollege Norbert Haug von McLaren-Mercedes: "Ich bin froh, dass das Einzel-Zeitfahren gut funktioniert hat, nicht nur, weil wir schnell waren." Der neue Qualifikations-Modus hatte es auch dem früheren Rennfahrer Jochen Mass angetan: "Das war zehn Mal besser als das, was wir bisher am Freitag hatten."

"Bisher hat man am Freitag nichts sagen können, aber jetzt sieht man schon, wo die Teams stehen und welches Team wirklich gut ist", sagte Ralf Schumacher. Als 16. war der WM-Vierte des Vorjahres im ersten Einzel-Zeitfahren der schlechteste der vier deutschen Formel- 1-Piloten und musste deshalb in der Nacht zum Samstag im zweiten Qualifikations-Akt vor dem Großen Preis von Australien am Sonntag (4.00 Uhr/MEZ, RTL und Premiere) schon als Vierter auf die Strecke.

Sein Bruder Michael wurde auf der 4,326 Kilometer langen Piste nicht nur von seinem Teamkollegen Rubens Barrichello (Brasilien) um sieben Zehntelsekunden distanziert, sondern auch vom Finnen Kimi Raikkönen im McLaren-Mercedes und von Ex-Weltmeister Jacques Villeneuve (Kanada) im BAR-Honda geschlagen. "Ich war der Streckenputzer", klagte der fünfmalige Weltmeister, der sich auf Grund des neuen Reglements als erster auf die Jagd nach der Bestzeit machen musste. Früher haben das "Hinterbänkler" wie Minardi erledigt. Schumacher ärgerte sich vor allem über den Rückstand auf Barrichello: "So einen großen Rückstand auf meinen Teamkollegen habe ich nicht oft. Aber ich kann damit leben."

Die beiden Mönchengladbacher Sauber-Piloten Nick Heidfeld und Heinz-Harald Frentzen fuhren auf die Plätze zwölf und 13. "Einige sind nicht mit Vollgas gefahren oder hatten mehr Sprit im Tank", vermutete Heidfeld. "Niemand hat versucht, sich bewusst hinten einzusortieren", glaubt Schumacher. Obwohl der wahre Gradmesser für die Schnelligkeit des Autos nun der Freitag ist, wurde schon am Eröffnungstag gepokert, denn nach der Qualifikation am Samstag durfte nicht mehr getankt werden. Die Strategen waren gefragt.

Nach Regeländerungen am laufenden Band und unschönen Machtkämpfen im Winter hat die neue Formel 1 bei der Saisoneröffnung im Albert Park die erste Bewährungsprobe bestanden. "Der Anfang ist gemacht. Jetzt müssen wir alle positiv an die Sache rangehen und guten Sport zeigen", forderte Haug, der in der vergangenen Woche mit dem umstrittenen FIA-Präsidenten Max Mosley ein "sehr vernünftiges Telefonat" geführt hat. Die Zeichen stehen auf Entspannung.

Während Haug nach dem ersten Formel-1-Tag der Saison glaubt, dass die Leistungsdichte in der Königsklasse zugenommen hat, da zwölf Piloten inklusive Schumacher binnen einer halben Sekunde lagen, sehen die Sportwetter das anders: Die Quoten für "Schumi" beim internationalen Online-Wettanbieter "Interwetten.com." sind in den Keller gefallen. Wer auf den sechsten WM-Titel des 34 Jahre alten Kerpeners wettet, gewinnt bei einem Einsatz von 1 ? lediglich 30 Cent.

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