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02.07.2000

19:00 Uhr

Luftfahrtbranche: Umweltbelange werden übertrieben

Streit um neues Flughafen-Konzept

Die rot-grüne Bundesregierung will auf die stark steigenden Passagierzahlen mit einem Ausbau der Flughäfen reagieren. Gleichzeitig beabsichtigt sie aber auch, etwa die Lärmschutz- und Nachtruhe-Bestimmungen zu verschärfen, um Anwohner und Umwelt besser zu schützen. Dies geht aus einem dem Handelsblatt vorliegenden 62-seitigen Entwurf zu einem Flughafenkonzept des Bundes hervor. Bei einer ersten Anhörung übten Luftfahrtgesellschaften und Flughäfen harte Kritik an dem Papier. Der Entwuf gleiche eher einem Katalog umweltpolitischer Maßnahmen als einem Verkehrskonzept.

ink/kol BERLIN/DÜSSELDORF. Der Entwurf sei sogar ein Rückschritt, kritisierte etwa Willi Hermsen, Hauptgeschäftsführer der Flughafen München GmbH. Denn die vorgesehene verstärkte Bürgerbeteiligung stärke den Luftverkehrsstandort Deutschland nicht, sondern schwäche ihn. Kritik kam auch von Lufthansa Chef Jürgen Weber, der sogar den Ankauf des geplanten Großraum-Airbuses an den Ausbau der Luftfahrtkapazitäten knüpfte. "Wir können dann Kunde des A3XX werden, wenn sich die Rahmenbedingungen für den Luftverkehr in Deutschland positiv entwickeln." Angesichts der großen Sitzplatzzahl des Airbuses sei ein Einsatz von Zubringerflügen sowie einer guten Anbindung der Flughäfen durch andere Verkehrsmittel abhängig, betonte auch Michael Uhlmann, Leiter des Bereichs Luftfahrt beim Deutschen Verkehrsforum. Zur Zeit kämen deshalb wohl nur die Flughäfen Frankfurt und München für einen A 3XX-Einsatz in Frage. Das Fehlen klarer Ausbauziele in dem neuen Bundeskonzept wird von den Unternehmen so heftig kritisiert, weil in dem Papier ja richtig festgestellt werde, dass "der Luftverkehr der dynamischste unter den Massenverkehrsträgern" sei. So erwartet die Bundesregierung eine Steigerung der Passagierzahlen in diesem Jahr um 4,5 % auf 139 Millionen.

Für das Jahr 2010 werden zwischen 182 und 204 Millionen Fluggäste für realistisch gehalten. Außerdem wird in dem Konzept der positive Arbeitsmarkteffekt hervorgehoben: In den kommenden Jahren würden in der Luftfahrt "hunderttausende von neuen Arbeitsplätzen" entstehen könnte, heißt es. Es müsse deshalb dafür gesorgt werden, dass sich der Standort Deutschland behaupten könne. Das Konzept enthalte aber keine konkreten Vorschläge, wie dieses Ziel zu erreichen ist, bemängelt die Branche.

Im Bundesverkehrsministerium weist man die Kritik mit dem Hinweis zurück, dass es sich um einen ersten Entwurf handele. Dieser solle dazu dienen, nun in Zusammenarbeit mit Ländern, Unternehmen und Verbänden "einen breiten Konsens" zu suchen.

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