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08.06.2000

13:36 Uhr

Luftfahrtindustrie

Deutschland und Frankreich bauen Aufklärungssatelliten

Deutschland und Frankreich wollen gemeinsam einen Verbund von Aufklärungssatelliten entwickeln und damit die Lehren aus dem Kosovo-Krieg ziehen.

dpa BERLIN/BRÜSSEL. Ferner wird sich Deutschland für das militärische Transportflugzeug A400M des Airbuskonsortiums entscheiden, womit Überlegungen für die russische Antonow 71 als künftigen Transporter vom Tisch sind. Das verlautete am Donnerstag aus Regierungskreisen in Berlin, einen Tag vor dem deutsch- französischen Gipfel in Mainz.

Bundeskanzler Gerhard Schröder und Frankreichs Präsident Jacques Chirac sind entschlossen, den Satellitenverbund auch anderen europäischen Staaten zugänglich zu machen. Großbritannien hat sich für eine enge Zusammenarbeit auf diesem Sektor mit den USA entschieden Europa müsse bei der militärischen Aufklärung auf eigenen Füßen stehen, hieß es in Berlin. Der Kosovo-Krieg habe deutliche Auflärungslücken erkennen lassen. Verwiesen wurde darauf, dass es für das wahrscheinlich milliardenschwere Satellitenprogramm, über das in den vergangenen Jahren zwischen beiden Nationen immer wieder diskutiert wurde, bereits eine französische Hardware gibt.

Mit der Entscheidung für das europäische Großraumflugzeug wurden vor allem russische Erwartungen enttäuscht, ihren Antonow-Transporter liefern zu können. Dazu hieß es in Berlin, dass russische und ukrainische Unternehmen bei der A400M als Sub-Unternehmer auftreten könnten. Bundesverteidigungsminister Rudolf Scharping sagte am Donnerstag am Rande des NATO-Verteidigungsminister-Treffens in Brüssel, die Vorentscheidung für den europäischen Transporter werde auf dem deutsch-französischen Gipfel fallen. Die A400M soll die betagten Transall-Transporter ablösen. Großbritannien hat sich bereits klar für den Airbus entschieden, auch Italien zeigt Interesse.

Die Bundeswehr würde etwa 75 Flugzeuge dieses Typs mit Kosten von 20 Mrd. DM benötigen. Die Regierungskreise in Berlin hielten sich mit Stückzahlen allerdings zurück.

Unabhängig von den Entscheidungen über die umfangreiche deutsch- französische Zusammenarbeit auf dem Rüstungssektor soll der 75. Jubiläums-Gipfel auch die für Ende des Jahres unter französischer Präsidentschaft stattfindende Regierungskonferenz in Nizza vorbereiten. Dabei geht es unter anderem um Mehrheitsentscheidungen im Europäischen Rat. Zwischen Paris und Berlin bestehe die feste Absicht, sich auf eine gemeinsame Linie zu verständigen.

Die deutsch-französische Zusammenarbeit sei die große Konstante in Europa, hieß es in Berlin. "Mainz wird zeigen, dass der deutsch- französische Motor nicht nur läuft, sondern auch auf Touren ist", wurde ein Regierungssprecher zitiert.

Chirac und Schröder sowie die Außen-, Innen-, Verteidigungs- und Wirtschaftsminister wollen sich auf dem eintägigen Spitzentreffen auch mit der Lage auf dem Balkan, in Nahost und in Russland beschäftigen. Auch das Thema der geplanten Raketen-Verteidigung (NMD) der USA werde eine Rolle spielen, hießt es. Deutschland stimme dem Vorschlag Chiracs zu, der für eine Gipfelkonferenz zwischen der Europäischen Union und den Staats- und Regierungschefs der Balkanländer plädiert hatte. Ferner soll auch das europäische Sozialmodell weiterentwickelt werden. Dazu trafen Gewerkschaften und Wirtschaftsverbände bereits am Donnerstag. Ihre Schlussfolgerungen sollen in Mainz verabschiedet werden.

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