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12.02.2002

14:00 Uhr

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Lufthansa und Ryanair beschäftigen die Gerichte

VonJürgen Grosche

Seit einigen Monaten fechten die Unternehmen ihre Streitigkeiten vor Gericht aus. Die Lufthansa bezeichnet die aggressive Werbung der Iren mit direkten Preisvergleichen als rechtswidrig. Doch auch über andere Fragen sollen Gerichte entscheiden.

DÜSSELDORF. So hat die Lufthansa der irischen Fluggesellschaft untersagen lassen, den Hunsrück-Flughafen Hahn als Flughafen "Frankfurt-Hahn" zu bezeichnen. Die Bezeichnung sei "relevant irreführend, weil Hahn weder in räumlicher noch in sonstiger Hinsicht dem Raum Frankfurt am Main zuzurechnen ist", begründete das Kölner Oberlandesgericht (OLG) in einer einstweiligen Verfügung auf Antrag des Konkurrenten Lufthansa seine Entscheidung. Ryanair hat dagegen Beschwerde bei der EU-Kommission eingereicht. Die indes erklärte sich für nicht zuständig.

Den Iren waren bereits im vergangenen November mehrere vergleichende Werbeaussagen untersagt worden. Ryanair darf nicht in Werbeaussagen den Eindruck erwecken, die Lufthansa fliege ab Flughafen Hahn. Auch der Vergleich der eigenen Flugangebote von Glasgow Prestwick, Mailand Bergamo und Oslo Torp mit Angeboten der Lufthansa nach Glasgow International, Mailand Malpensa und Oslo ist gerichtlich für unzulässig erklärt worden.

Unterdessen schließt die Lufthansa nicht aus, eine eigene Billig-Fluglinie zu gründen. Angesichts zunehmender Präsenz von Niedrigpreis-Anbietern im Luftverkehr "halten wir uns offen, ob wir in diesem Markt mitspielen", sagte Bereichsvorstand Netzmanagement und Marketing Ralf Teckentrup kürzlich vor Journalisten in München. "Wir wissen, wie das Geschäft läuft und dass damit Geld zu verdienen ist." Allerdings sei die Frage, ob ein Einstieg in dieses Geschäftsfeld das Geld wert sei. Zu bedenken sei auch, dass eine Konkurrenz im eigenen Haus der Lufthansa Marktanteile abnehmen werde. Billig-Anbieter haben Teckentrup zufolge derzeit in Europa einen Marktanteil von fünf Prozent und verzeichnen Zuwachsraten von 25 Prozent. Teckentrup ließ jedoch offen, wann für die Lufthansa die "Schmerzgrenze" erreicht sei, bei der die Fluglinie in dieses Geschäftsfeld einsteigen werde.

Die fortlaufenden Rechtsstreitigkeiten mit der irischen Billigfluglinie Ryanair betrachtet Teckentrup vor allem als ein Mittel des Wettbewerbers, öffentlich Aufmerksamkeit zu erringen. Lande ein Streit vor Gericht, werde in den Medien auch darüber berichtet. Zugleich sprach sich der Vorstand für die Anwendung "einiger Grundregeln, die für alle gelten" aus. Die Lufthansa sei von Wettbewerbsvereinen wiederholt abgemahnt und in ein enges Korsett von Regeln gezwängt worden. Jedoch gebe es kleinere Airlines, "die können sich alles herausnehmen". So sei Lufthansa "verdonnert", mit Preisen zu werben, die sämtliche Gebühren beinhalten. Dagegen enthielten die Angebote von Ryanair weder Steuern noch Gebühren.

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