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20.03.2003

14:40 Uhr

Lungenentzündung aus Südchina eingeschleppt

Arzt brachte Virus nach Hongkong

Ein 64-jähriger Arzt aus Südchina erweise sich nach Angaben chinesischer Gesundheitsbehörden als Ausgangspunkt der Lungenkrankheit in Hongkong, von wo aus sich der Virus weltweit ausgebreitet hat.

HB/dpa HONGKONG/PEKING/FRANKFURT(MAIN). Von dort aus wurde die Krankheit weltweit verbreitet. Gesundheitsbehörden identifizierten den 64-Jährigen, der krank aus der Südprovinz Guangdong gekommen sei und mehrere Menschen angesteckt habe. Er starb inzwischen an dem Schweren Akuten Atemwegssyndrom (Severe Acute Respiratory Syndrome/SARS).

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) sieht dies als weiteres "Indiz", dass ein Zusammenhang zwischen den SARS-Fällen und den seit November in Guangdong grassierenden, sehr ähnlichen Lungenentzündungen besteht. Eine Verbindung sei aber noch nicht zweifelsfrei nachgewiesen, sagte Alan Schnur vom WHO-Büro in Peking am Donnerstag.

Laut WHO wurden bis Mittwoch weltweit 264 Verdachtsfälle gemeldet - und zwar aus Deutschland, Singapur, Slowenien, Spanien, Thailand, Großbritannien, Kanada, den USA und Vietnam. Zudem habe China eine noch unbekannte Zahl von Erkrankungsfällen gemeldet. Weiterhin seien Hongkong und Singapur am stärksten betroffen. Den Angaben zufolge sind 9 Menschen an SARS gestorben. Zusätzlich gebe es 5 Todesfälle wegen der sehr ähnlichen Lungenentzündung in Chinas Provinz Guangdong.

Die drei Frankfurter SARS-Patienten sind nach Angaben der behandelnden Ärzte nahezu gesund. "Blutwerte und Röntgenbild werden von Tag zu Tag besser", sagte der Leiter der Frankfurter Universitäts-Isolierstation, Hans-Reinhard Brodt. Der Arzt aus Singapur und seine Frau seien "wohlauf". Die Schwiegermutter des Arztes ist laut Brodt "gesund". Wenn das so bleibe, könne die Familie Ende nächster Woche heim fliegen.

Die häusliche Quarantäne der Mitreisenden des infizierten Arztes wird nach Angaben des hessischen Sozialministeriums in der Nacht zum Samstag aufgehoben. Deutschlandweit seien noch 110 Passagiere mit dem Reiseziel Deutschland von entsprechenden Maßnahmen betroffen. Der Verdachtsfall in Göttingen hat sich nach Auskunft des niedersächsischen Landesgesundheitsamtes nicht bestätigt. Der Patient habe eine normale Grippe. Inzwischen meldeten auch Neuseeland und Irland Verdachtsfälle.

Die WHO in Genf bezeichnete die Entdeckung der Paramyxoviren bei Erkrankten durch Ärzte aus Hongkong und Deutschland als "den ersten großen Schritt vorwärts", um die Ursache einzugrenzen. Es seien jedoch weitere Anstrengungen nötig, um die Ergebnisse zu verifizieren und auch um den Erreger näher einzugrenzen. Die große Gruppe der Paramyxoviren kann eine Vielzahl von Krankheiten, vor allem in den Atemwegen auslösen.

Der 64-jährige Arzt, der die Krankheit am 22. Februar nach Hongkong gebracht haben soll, hat nach Behördenangaben in einem Hotel auf demselben Stockwerk wie zwei kanadische Touristen und drei Besucher aus Singapur gewohnt, die später erkrankten. Die Singapuraner infizierten nach ihrer Rückkehr mehrere Menschen, darunter den Arzt, der mit Frau und Schwiegermutter später nach Frankfurt flog.

Auch ein 26-jähriger Flughafenangestellter aus Hongkong habe neben dem kranken Arzt aus Guangdong im Hotel am Aufzug gestanden und sich infiziert, hieß es. Der 26-Jährige soll Auslöser der weiteren Verbreitung der Lungenentzündungen in Hongkong sein, die etwa 150 Menschen befallen hat.

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