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30.03.2003

16:30 Uhr

Lungenkrankheit breitet sich in Asien aus

Weitere SARS-Todesfälle in Hongkong

Die gefährliche Lungenkrankheit SARS hat sich am Wochenende in Asien weiter ausgebreitet. In Hongkong stieg die Zahl der Todesopfer bis Sonntag auf 13, die Zahl der Erkrankten erhöhte sich auf 530.

HB/dpa PEKING/HONGKONG/HAMBURG. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) in Hongkong sind weltweit mittlerweile 57 Menschen an SARS gestorben und 1610 erkrankt. Unter den Todesopfern ist auch der italienische Arzt Carlo Urbani (46), der für die WHO in Vietnam arbeitete und in Hanoi vor Wochen als erster erkannte, dass es sich um eine neue Krankheit handeln muss.

Die USA dehnten ihre Reisewarnung für die Region auf China und Singapur aus. In Taiwan müssen Reisende seit Sonntag eine Erklärung zu ihrem Gesundheitszustand abgeben. Das deutsche Auswärtige Amt forderte weiter dazu auf, eine Reise in die betroffenen Regionen sehr sorgfältig abzuwägen. In Deutschland gab es Entwarnung für drei Verdachtsfälle in Hamburg und Köln.

In Peking warteten indes WHO-Experten auch am Sonntag weiter vergeblich auf die Erlaubnis, nach Südchina zu Untersuchungen reisen zu dürfen. Eine Entscheidung soll nun frühestens am Montag fallen. Die WHO geht davon aus, dass die Epidemie in der Südprovinz Guangdong ihren Anfang nahm. Dort könnten Hinweise auf die Herkunft des Virus gefunden werden, sagte das deutsche Mitglied des WHO-Teams, der Frankfurter Virologe Wolfgang Preiser. "Ein neuartiges Krankheitsbild mit einem offensichtlich neuartigen Erreger kommt ja nicht von nirgendwo, sondern hat eine Quelle."

Der Ursprung des Schweren Akuten Atemwegsyndroms (SARS) ließe sich im Tierreich vermuten. Es könnte sich aber auch um ein mutiertes humanes Virus handeln. Guangdong ist mit Hunderten von Erkrankten das Zentrum der Infektionen weltweit. Fälle wurden aber auch schon aus Peking und Taiyuan in Nordchina gemeldet.

Von Südchina hat sich das Virus nach Hongkong verbreitet. Dort wird mit der Schließung aller Schulen und zwangsweisen Quarantäne für alle Menschen, die engen Kontakt zu Kranken hatten, versucht, die Epidemie einzudämmen. In Taiwan verlangen die Behörden von allen Einreisenden Auskunft darüber, ob sie SARS-Symptome haben. Auf der Insel haben sich nach Angaben der Gesundheitsbehörden bislang 13 der 66 Verdachtsfälle bestätigt.

Nach den Rolling Stones und Carlos Santana sagte auch der Musiker Moby seine Konzerte diese Woche in Hongkong und Singapur ab. In Deutschland warnte der Präsident des Robert-Koch-Instituts (RKI), Reinhard Kurth, vor einer Hysterie. Viele, "die zunächst unter Verdacht stehen, werden nachher mit einer anderen Diagnose weiter behandelt", sagte er im ARD-Fernsehen am Samstag. "Wenn eine Gefahr bekannt ist, ist sie schon halbwegs eingedämmt."

In Köln können ein Japaner und ein Taiwaner, bei denen SARS vermutet wurde, nach Angaben des Gesundheitsamtes die Klinik am Montag verlassen. "Den Patienten geht es gut, und die Blutergebnisse aus dem Tropeninstitut sind auch negativ", hieß es am Sonntag. Auch bei einer 34-Jährigen in Hamburg konnte das auslösende Coronavirus nicht nachgewiesen werden.

Die wahre Zahl der weltweit Erkrankten und Gestorbenen dürfte wohl noch höher sein, da die bislang mitgerechneten Statistiken aus China nur bis Ende Februar reichen. Die WHO hofft, künftig schneller und aktueller Zahlen über die Epidemie in China zu bekommen. Allerdings brauche es wahrscheinlich ein paar Tage, um neue Zahlen zu liefern, sagte der WHO-Teamleiter John MacKenzie. Es gebe jetzt aber eine feste Zusage Chinas, regelmäßig zu berichten.

Die US-Gesundheitsbehörde (CDC) in Atlanta riet, nicht unbedingt notwendige Reisen nach China, Hongkong, Singapur sowie Hanoi "bis auf weiteres zu verschieben". In den USA wurden bis zum Wochenende von der CDC rund 60 Verdachtsfälle in 22 Bundesstaaten gezählt, die meisten davon in Kalifornien.

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