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18.01.2002

15:06 Uhr

Machtprobe der Parteien im Fernsehrat

ZDF findet keinen neuen Intendanten

Die Wahl des neuen ZDF-Intendanten ist am Freitag in Mainz auch im zweiten Anlauf gescheitert. Der Nachfolger von Dieter Stolte soll nun am 9. März in Mainz am Rande einer Ministerpräsidentenkonferenz gewählt werden, fünf Tage vor dem Ende der Amtszeit Stoltes.

Dieter Stolte verlässt das ZDF am 14. März. Foto: ap

Dieter Stolte verlässt das ZDF am 14. März. Foto: ap

dpa MAINZ. Das konservative und das SPD-nahe Lager im Fernsehrat konnten sich - wie bereits Anfang Dezember - auch am Freitag nicht auf einen gemeinsamen Kandidaten einigen. Wegen der erforderlichen Mehrheit von 47 Stimmen muss der Stolte-Nachfolger Stimmen aus beiden Lagern des 77-köpfigen Fernsehrats erhalten.

Einen neuen Anlauf zur Bestimmung eines Konsenskandidaten wollen nun die Wortführer der beiden Freundeskreise, Klaus Rüter (SPD) und Wilfried Scharnagl (CSU), sowie der ZDF-Verwaltungsratsvorsitzende Kurt Beck (SPD) und sein Stellvertreter Bernhard Vogel (CDU) starten. Ungeachtet der monatelangen parteipolitischen Auseinandersetzung um die Kandidatenkür nannte Fernsehratschef Konrad Kraske die erneute Vertagung der Wahl "keine Schande und keine Katastrophe". Die nötige Drei-Fünftel-Mehrheit sei eine "außerordentlich hohe und schwer zu nehmende Hürde".

Ergebnisloser Wahldurchgang

Die Fernsehratssitzung am Freitag wurde nach einem ergebnislosen Wahldurchgang, getrennten Gesprächen der beiden Blöcke und einer Beratung der Findungskommission mit Vertretern aus beiden Lagern abgebrochen. Als einziger Kandidat war auf Vorschlag Scharnagls der ZDF-Direktor für die Satellitenprogramme, der 47-jährige Gottfried Langenstein, angetreten. Für ihn stimmten 36 der 72 anwesenden Ratsmitglieder. Langenstein erhielt demnach nicht die geschlossene Unterstützung des "schwarzen" Freundeskreises: Mindestens fünf Mitglieder stimmten nicht für ihn. Bei der Sitzung fehlten neben einem konservativen Fernsehratsmitglied auch vier dem "roten" Block zugerechnete Fernsehräte.

Der zuvor als aussichtsreich gehandelte ARD-Programmchef Günter Struve war am Freitag nicht in Mainz. Der 61-Jährige hatte schon vor der Wahl angekündigt, nur dann zur Verfügung zu stehen, wenn beide Freundeskreise ihn unterstützen würden. "Diese Bedingung ist nicht erfüllbar", sagte Vogel, der Ministerpräsident von Thüringen. Die Freundeskreise hatten am Donnerstagabend bis in die Nacht ohne Ergebnis getagt. Neben Struve und Langenstein war auch der dem Unionslager zugerechnete ZDF-Programmchef Markus Schächter als möglicher Stolte-Nachfolger genannt worden.

Schon bei den ersten beiden Wahlgängen am 6. Dezember hatte keiner der beiden damaligen Kandidaten die erforderliche Mehrheit von 47 Stimmen erhalten. Der stellvertretende ZDF-Chefredakteur Helmut Reitze erhielt jeweils 42 Stimmen. Die NDR-Landesfunkhauschefin in Hamburg, Dagmar Reim, bekam zuletzt 35 Stimmen und zog daraufhin ihre Kandidatur zurück.

Clement für Änderung des ZDF-Staatsvertrags

Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Wolfgang Clement (SPD) kündigte am Freitag aus Ärger über das politische Gezerre um die Wahl an, er wolle eine Änderung des ZDF-Staatsvertrags vorschlagen. Die Anzahl von Parteipolitikern in den Gremien müsse reduziert werden, sagte Clement. "Eine solche Blockbildung habe ich noch nie erlebt. Hier ist zu viel Parteipolitik im Spiel." Dem unionsnahen Freundeskreis im Fernsehrat werden 42 Mitglieder zugerechnet, dem der SPD nahe stehenden Kreis 35.

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