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15.06.2000

15:55 Uhr

Mafia profitierte vom Internet-Aktienfieber

FBI deckt Börsenschwindel der Mafia auf

afp NEW YORK. Die New Yorker Justiz hat einen riesigen Börsenschwindel aufgedeckt, in den die mächtigsten Mafia-Familien der Millionenstadt verwickelt waren. Nach mehr als einjährigen Ermittlungen wurde Anklage gegen 120 Verdächtige erhoben, wie Bundesanwältin Mary-Jo White am Mittwoch (Ortszeit) in New York bekannt gab. Die Betrüger hatten demnach das Aktienfieber an der Wall Street genutzt, um illegal rund 50 Mill. $ (mehr als 100 Mill. DM) zu verdienen.

Sie verkauften Kleinanlegern Anteile an Internet-Firmen, die später niemals an die Börse kamen. Außerdem trieben sie mit Hilfe korrupter Aktienhändler die Wertpapiere von Klein-Unternehmen in die Höhe, so dass die Betrüger den Spekulationsgewinn abschöpfen konnten.

Laut White handelt es sich um den größten Börsenschwindel, der jemals in der Geschichte der USA aufgedeckt wurde. Die Mafia-Familien Bonanno und Colombo betrieben das System demnach von 1995 bis Anfang dieses Jahres. Auf ihrer Gehaltsliste standen 57 Börsenmakler, 30 Firmenmitarbeiter, ein Investmentberater, ein Risikofondsmanager und ein mittlerweile pensionierter Kriminalbeamter. Die US-Bundespolizei FBI trug die Beweise gegen die Betrüger mit Hilfe eines Kronzeugen und des Abhörens von Telefongesprächen zusammen. Mehr als 120 FBI-Beamte waren an den Ermittlungen beteiligt.

Bundesanwältin White zufolge bemächtigte sich die Mafia einer Kapitalgesellschaft, die Aktien von Klein-Unternehmen billig aufkaufte. Verbündete Börsenmakler überredeten ihre Kunden dazu, dieselben Werte zu kaufen. Sobald die Kurse dadurch in die Höhe geschnellt waren, stieß die Kapitalgesellschaft die Aktien mit Gewinn wieder ab. Außerdem verkauften die Makler ihren Kunden Anteile an angeblichen Internet-Firmen, die noch gar nicht an der Börse gehandelt wurden. Sie stellten den Anlegern satte Profite bei Börsengängen in Aussicht, die aber nie stattfanden.

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