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04.02.2003

14:48 Uhr

Maier: „Mit Rücken zur Wand“

Katerstimmung bei deutschen Ski-Damen

Hilde Gerg haderte heftig mit dem Schicksal, Cheftrainer Wolfgang Maier tröstete nur ein Blick auf die Geschichte. Nach dem klassischen Fehlstart bei den alpinen Weltmeisterschaften ist bei den deutschen Ski-Damen schon nach dem ersten Rennen große Katerstimmung und die Angst vor einer totalen Pleite ausgebrochen.

HB/dpa ST. MORITZ. "Es ist sicher bitter für uns. Wir stehen eh mit dem Rücken zur Wand, was den alpinen Stellenwert in Deutschland betrifft", sagte Maier nach dem schlechtesten deutschen Super-G-Ergebnis bei einem Großereignis seit Einführung des Wettbewerbs 1987.

Noch hängt den Alpinen die mit einer Bronzemedaille schlechte Ausbeute bei den Olympischen Winterspielen 2002 nach. Angesichts der deutschen Erfolge in anderen Wintersportarten erhöht sich zusätzlich der Druck, endlich wieder mit Edelmetall zu glänzen. Schlechte Starts haben für die deutschen Ski-Damen allerdings schon Tradition. "So lange ich Trainer bin, haben wir mit Ausnahme der Bronzemedaille von Hilde Gerg im Super-G 2001 immer eine Breitseite gekriegt", erinnerte sich Maier, der seit 1993 im Amt ist.

Der vom Wind auf Platz 20 "gewehten" Mitfavoritin Hilde Gerg half diese Erkenntnis nicht über den Ärger hinweg. "Man fragt sich schon, bin ich immer der Depp, der die Fehler macht oder Pech hat? Wie lange muss ich es denn noch versuchen?" zog die 27-Jährige im Interview des "Bayerischen Fernsehens" ernüchtert Bilanz. In Salt Lake City knapp am Podest vorbei gefahren und nun wieder gescheitert, wird der besten deutschen Skifahrerin immer mehr bewusst, dass sie nicht mehr viele Chancen hat, ihr Medaillenkonto aufzubessern. Sollte sie sich tatsächlich für einen Rücktritt nach Saisonende entscheiden, bliebe nur noch die Abfahrt am Sonntag.

"Da fließt viel Herzblut mit", hatte Maier Mitgefühl mit seiner einstigen Vorzeigefahrerin. Während Martina Ertl als beste Deutsche auf Platz elf noch relativ ungeschoren davon kam, kritisierte Maier die beim WM-Debüt ausgeschiedene Maria Riesch - "Sie muss noch lernen, es war ein Besichtigungsfehler" - und die als 29. enttäuschende Regina Häusl hingegen ungewohnt hart: "Sie muss härter an sich arbeiten. Sie weiß selbst, dass das nicht genug war."

Ebenso deutliche Kritik richtete Maier an die Organisatoren, die trotz des Windes und schlechter Wettererfahrungen in St. Moritz eine späte Startzeit und lange Startintervalle festlegten. "Dieses Event wird so durchgezogen, da stehen zu viele wirtschaftliche Dinge dahinter", sagte der 42-Jährige.

Zu lange wollte sich Maier aber gar nicht mit dem miserablen Start beschäftigen: "Es wäre sicher eine leichtere WM geworden, weil die Stimmung lockerer gewesen wäre. Aber jetzt ist es vorbei und auf bayerisch gesagt wurst." Im Abfahrtstraining sollen sich die für die Königsdisziplin gesetzte Gerg und die in einer internen Qualifikation die drei restlichen Plätze ausfahrenden Ertl, Riesch, Häusl und Isabelle Huber wieder das nötige Selbstvertrauen holen. Nach der ersten Übungseinheit blickte auch Hilde Gerg am Dienstag wieder freundlich drein: "Es ist ein schöner Kurs. Der Blick ist voll auf die Abfahrt gerichtet. Das muss man ja."

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