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16.01.2003

07:22 Uhr

Manager fordert auf Handelsblatt-Energie-Tagung Planungssicherheit für neue Kraftwerke

Energiekonzerne beharren auf Kohleverstromung

RWE-Vorstandschef Dietmar Kuhnt hat davor gewarnt, Kohlekraftwerke durch den geplanten Handel mit Treibhausgasemissionen unrentabel zu machen. "Wir werden noch auf Jahrzehnte auf erhebliche Beiträge der fossilen Energien - also auch der Kohle - angewiesen sein", sagte Kuhnt gestern auf der Handelsblatt-Jahrestagung Energiewirtschaft 2003 in Berlin.

juf/jsn BERLIN. Alternativen gebe es nicht: Die erneuerbaren Energien könnten die fossilen Energieträger Kohle und Öl nicht ersetzen, sondern nur ergänzen, und auch bei Gas seien die Bezugsquellen beschränkt. Das Ziel einer "entkarbonisierten" Wirtschaft sei "mit unverantwortlich hohen Kosten" verbunden.

Die Umweltminister der EU hatten sich auf einen Handel mit Emissionsrechten verständigt, um den Ausstoß des für das Klima schädlichen Kohlendioxids zu verringern. Ab 2005 sollen Firmen Lizenzen für einen bestimmten Ausstoß an Treibhausgasen erhalten. Produzieren sie mehr, müssen sie Lizenzen dazu kaufen; umgekehrt können sie welche verkaufen. Bis März 2004 müssen die Länder entscheiden, wie die Rechte auf die einzelnen Unternehmen und Anlagen verteilt werden. Kohlekraftwerke produzieren in Deutschland 52 % der Energie.

Die Pläne verunsichern die Branche, sagte RWE-Chef Kuhnt. Es stünden große Investitionen an, etwa das im Rheinland geplante Braunkohlekraftwerke "BoA II" für über 1 Mrd. Euro. "Diese Entscheidung können wir unternehmerisch erst dann verantworten, wenn Planungs- und Rechtssicherheit gegeben ist", sagte Kuhnt.

Kuhnt schätzt den Investitionsbedarf in die Kraftwerke der deutschen Energiewirtschaft auf 30 Mrd. Euro. Wer jetzt eine Anlage baue, binde sich mit seinen Investitionen bis 2050. In Deutschland müssen alte Kraftwerke ersetzt werden und der politisch gewollte Ausstieg aus der Kohlendioxid-freien Kernenergie kompensiert werden. Kuhnt forderte für den Ausstieg Gutschriften für neue fossile Kraftwerke. Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement hat am Rande der Tagung eine entsprechende Bereitschaft der Bundesregierung signalisiert.

Klaus Rauscher, Vorstandschef der Vattenfall Europe AG unterstrich die Bedeutung der Braunkohle: "Sie ist langfristig verfügbar und ohne Subventionen wettbewerbsfähig." Vattenfall hat mit 8,6 Mrd. Euro Investitionen die Kohlendioxid-Emissionen seiner Braunkohle-Kraftwerke in Ostdeutschland um 40 % verringert.

Der Essener Energieprofessor Dieter Schmitt sieht aber besonders die Braunkohleverstromung gefährdet, wenn die Bundesregierung keine "festen ökologischen Zusagen für die gesamte Betriebszeit von Kraftwerksanlagen machen" würde. "Die Kohlekraftwerke zu ersetzen ist unmöglich", sagt Karlheinz Bozem, Energieexperte der Unternehmensberatung Booz Allen Hamilton. Durch die Zwänge des Emissionsrechtehandels könnten sich die großen Versorger aber verstärkt mit Spezialisten für erneuerbare Energie verbinden, um ihren Energiemix anzupassen.

Quelle: Handelsblatt

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