Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

03.03.2003

08:31 Uhr

Managergehälter

Kommentar: Nur aus freien Stücken

VonPeter Heinacher

Die Kapitalmärkte liegen am Boden, die Unternehmenspleiten häufen sich, immer wieder werden Unregelmäßigkeiten in den Vorstandsetagen großer Unternehmen publik - das Vertrauen der Anleger in die Tugendhaftigkeit von Spitzenmanagern ist zerrüttet.

Skandale, wie sie bei Enron oder EM-TV bekannt geworden sind, haben dem Image von Vorständen schweren Schaden zugefügt. Vor diesem Hintergrund kommen die vor wenigen Tagen von Bundesfinanzminister Hans Eichel und Bundesjustizministerin Brigitte Zypries vorgelegten Pläne zur Verbesserung der Unternehmensintegrität und des Anlegerschutzes zur rechten Zeit. Sie könnten in der Tat dazu beitragen, den Finanzplatz Deutschland zu stärken und das verloren gegangene Vertrauen der Anleger wieder zurückzugewinnen.

Allerdings besteht die Gefahr, dass die rot-grüne Koalition mit ihren Forderungen über das Ziel hinausschießt. Dies gilt in ganz besonderer Weise für den Vorstoß von Zypries, unter Umständen eine Obergrenze, so genannte "caps", für die Einkommen von Vorstandsmitgliedern gesetzlich festzulegen. Eine derartige Regelung in einem Staat, in dem die Tarifautonomie gilt, ist abenteuerlich, sie widerspricht grundlegend dem Gedanken des Wettbewerbs in einer marktwirtschaftlichen Ordnung, in der auch Spitzengehälter dem Prinzip der Preisbildung durch Angebot und Nachfrage folgen sollten. Zu berücksichtigen ist dabei sicherlich, dass es schon heute Grenzen für die Einkommenshöhe von Vorstandsmitgliedern gibt. Nach § 87 Aktiengesetz muss die Vergütung in einem "angemessenen Verhältnis zu den Aufgaben des Vorstandsmitglieds und zur Lage der Gesellschaft stehen". Es kann aber nicht die Aufgabe des Staates sein, Vorgaben für diese Angemessenheit gesetzlich zu fixieren.

Sinnvoll ist es hingegen, Einkommenshöchstgrenzen für Vorstandsmitglieder auf der Basis einer freiwilligen Selbstverpflichtung festzulegen. Exakt darüber wird auch in Großbritannien und den USA diskutiert, und exakt diesen Weg favorisiert auch Zypries. Als Instrument bietet sich dabei der "Corporate-Governance-Kodex" an, den die von Thyssen-Krupp-Aufsichtsratschef Gerhard Cromme geleitete Regierungskommission entworfen hat und Jahr für Jahr überprüft. In diesem Expertengremium ist bereits über die "caps" gestritten worden - eine Mehrheit für die Einführung einer Begrenzung ist bisher nicht in Sicht. Während vor allem Unternehmensvertreter argumentieren, im Falle einer Festlegung von Einkommensgrenzen würden ausländische Spitzenmanager nicht mehr bei deutschen Unternehmen anheuern, verweisen Anlegerschützer und Wissenschaftler darauf, dass bei Jahresgehältern von 30 oder 40 Millionen Euro die soziale Symmetrie in der Bundesrepublik aus den Fugen gerät. Das kann auch nicht im Interesse von Unternehmenslenkern sein. Wohlgemerkt: Es geht hier nicht um Einkommen von 3 oder 4 Millionen Euro, die im Einzelfall gerechtfertigt sein können - es geht um die Ausreißer, die in der Regel ihre Ursache in der Ausgestaltung der Aktienoptionsprogramme haben.

Eine Begrenzung der Managergehälter auf freiwilliger Basis ist ein Beitrag für mehr Transparenz im Sinne der Aktionäre, ein Beitrag zur Vertrauensbildung. Unternehmen und Kapitalmärkte können gerade in der gegenwärtigen Phase nichts besser brauchen als vertrauensbildende Maßnahmen.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×