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16.01.2002

14:09 Uhr

Manchester United verlor 1 Milliarde Euro

Ernüchterung am Fußball-Aktienmarkt

Das Aktien-Tief zum Ende der Hinrunde scheint Borussia Dortmund überwunden zu haben. Eigentlich nicht verwunderlich, steht der Klub in der Fußball-Bundesliga doch gut wie lange nicht da: Platz zwei - punktgleich mit Tabellenführer Bayer Leverkusen.

sid HAMBURG. Meist folgte der Aufbruchstimmung schnell die Ernüchterung. Die Aktie des BVB, erster deutscher Klub auf dem Parkett, sackte beispielsweise vom Emissionspreis in Höhe von 11 Euro (31. Oktober 2000) bis auf 4,65 Euro im Dezember vergangenen Jahres, bevor er in den vergangenen Wochen wieder auf 5,30 Euro anzog.

BVB 3-Monatsverlauf

Vereinspräsident Gerd Niebaum tröstet sich mit der Erkenntnis, im Trend des Markts zu liegen: "Wir waren auch nicht schlechter als viele andere."

Manchester verlor fast zwei Drittel seines Wertes

Die Bilanz kann dennoch ernüchternd ausfallen. So verlor Branchen-Primus Manchester United im Verlauf der anhaltenden Krise auf den Weltmärkten fast als zwei Drittel seines Werts. War der Champions-League-Gewinner von 1999 zu Beginn des Jahres 2000 noch rund 1,65 Milliarden Euro "schwer", sank sein Börsenwert bis heute auf gerade noch 600 Millionen Euro. Die Aktie purzelte von 6,80 Euro (März 2000) auf inzwischen nur noch 2,30 Euro.

Fußball-Index steht auf einem Fünf-Jahres-Tief

Auch für die nahe Zukunft steht das Börsen-Barometer für den Fußball nicht gerade auf Sonnenschein: Der Bloomberg-Kick-Index, der seit 1995 die Werte von 19 englischen und schottischen Klubs hochrechnet, ist auf ein Fünf-Jahres-Tief gefallen und verlor allein in den vergangenen zwölf Monaten fast 40 Prozent-Punkte. Analysen ergaben, dass der Erfolg eines Vereins auf dem Spielfeld an der Börse oft ins Gegenteil ausschlägt, weil es genau dann zu Gewinnmitnahmen der Investoren kommt. Spielergehälter, die von vielen inzwischen als wirtschaftlich ungesund erachtet werden, und erste dunkle Wolken am TV-Rechte-Himmel tun ein Übriges.

Bayern München wird eine AG

Die allgemeine Flaute auf dem Aktienmarkt hat viele Vereine bislang vom Börsengang abgehalten. Zwar schließt Bayern München einen entsprechenden Schritt nicht aus - allerdings will der Rekordmeister laut seines Managers Uli Hoeneß warten, "bis in drei oder vier Jahren das Börsenumfeld freundlicher ist". Unabhängig davon wird die Umwandlung in eine Aktiengesellschaft (geschätzter Wert: 770 Millionen Euro) am 8. Februar offiziell vollzogen.

Jüngstes Beispiel für die Schwäche des Marktes ist Italiens Renommierklub Juventus Turin, dessen Aktie seit der Ausgabe vor wenigen Wochen bereits knapp zehn Prozent an Wert verloren hat. Doch selbst das scheint Anleger nicht abzuschrecken. So erwarb Libyens Staatschef Muammar el Ghaddafi unlängst 6,4 Millionen "Juve"-Aktien im Wert von 23 Millionen Euro. Der Fanartikel Aktie ist offenbar etwas für Risikobewusste - oder eingefleischte Fans.

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