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05.02.2002

11:05 Uhr

"Mannschaft Schrott, Bier toll"

SMS-Infodienste auf dem Vormarsch

Die Akzeptanz von SMS-Diensten steigt stetig. Laut einer im Herbst 2001 erschienenen Studie von Jupiter MMXI haben bereits 16 Prozent aller Deutschen SMS-Infodienste aus den Bereichen Sport, Lotto, Wetter oder Politik genutzt - Tendenz steigend.

dpa DÜSSELDORF. Nichts kann die Nachricht vom aktuellen Tor der Lieblingsmannschaft aufhalten. Es ist unerheblich, ob der Fan gerade im Hochgebirge unterwegs ist, Fernseher und Radio von Freunden blockiert werden oder das Modem nicht will. SMS-Infodienste versorgen den hartgesottenen Sportliebhaber auf dem Mobiltelefon rund um die Uhr mit aktuellen Nachrichten und Tratsch aus der Welt des Sports.

"Die Akzeptanz der SMS-Infodienste steigt stetig", sagt Philipp Schindera von Mobilfunkanbieter T-Mobile. 16 % aller Deutschen haben laut einer im Herbst 2001 erschienenen Marktforschungsstudie von Jupiter MMXI bereits SMS-Infodienste genutzt, einschließlich der Kanäle zu Lotto, Wetter oder Politik. Rund eine Million Menschen haben Sportinfo-Kanäle abonniert, heißt es in Branchenkreisen.

"BL live! FCB-LEV 2:0 /1:0 Elber (67.) 2:0 Effenberg (71./FE) ROST-ST.P 1:0 /1:0 Hirsch (82./FE)" blinkt das Handy-Display. Der Absender ist der Mobilfunkanbieter. In manchen Fällen kommen solche Infohäppchen auch von Internet-Portalen rund um Sport und mobile Kommunikation, wie kicker.de, Sport1.de , Jamba.de oder Handy.de. Verbunden mit Werbung - etwa für eine Biermarke - gibt es die Sprüchlein sogar kostenlos. "Die größten Kundenzahlen haben Formel 1 und Fußballnachrichten", sagt T-Mobile-Sprecher Philipp Schindera. Als weitaus trendiger gelten aber SMS-Infodienste von Fans für andere Fans. "Mannschaft Schrott - Bier toll - Ordner haben mir auf den Kopf gehauen. Außerdem 1:0 für den Gegner", informieren etwa die Lostboyz Flingern Fans des Regionalligisten Fortuna Düsseldorf live aus dem Stadion.

Je lokaler und launischer die Sprüche sind, desto besser. "Viele junge Menschen können sich für die sachliche Berichterstattung über sportliche Megaevents nur mäßig begeistern", erklärt Christiane Mosdzen, Managerin des Internet-Portals Handy.de, den Erfolg der so genannten User-Channels. Auf ihrer Webseite haben Sportinteressierte die Wahl unter knapp 200 Infokanälen. Bei href="http://www.d2-Vodafone.de" target="_blank">D2 Vodafone sind es ebenso viele, T-Mobile hat ein entsprechendes Angebot.

"Ob es der Eishockeyverein Landshut Cannibals ist, der türkische Fußballclub Galatasaray Istanbul oder die Sportart Speedskating - für fast alles gibt es ein Angebot", sagt D2-Sprecherin Amélie Döbele. Auch reine Unterhaltungskanäle zum Thema Sport sind beliebt. Ein Witzbold unterhält bei Handy.de etwa die Rubrik "Sportgrößen beim Wort genommen" und verschickt Sprüche wie: "Herr Vogts, wie halten Sie es mit dem Sex Ihrer Spieler vor dem Spiel? Vor dem Spiel ist mir egal, aber in der Halbzeit, da geht nichts!"

Weniger bunt, dafür um so professioneller arbeiten die kommerziellen Lieferanten der SMS-Texte. Schließlich ist das Verschicken von Info-Kurznachrichten auch ein großes Geschäft. "Unsere 14-köpfige Redaktion wertet das Material von vier großen Nachrichtenagenturen aus. Sie bastelt daraus täglich bis zu 30 Texte von maximal 160 Buchstaben - allein im Bereich Sport", erklärt Josef Humbert, Redaktionsleiter der Materna GmbH. Länger dürfen die Texte nicht sein, sonst passen sie nicht in eine SMS.

Die Dortmunder Firma Materna ist einer der größten Anbieter von Kurztexten. Sie beliefert etwa D2, E-Plus und Viag Interkom. Unzählige Inhalte-Lieferanten tummeln sich auf dem Markt. Ein kleinerer Wettbewerber ist die Firma Mediapromotion. Ihr Chef Michael Oberdieck kennt die Härte des Geschäfts: "Der Markt ist ein Haifischbecken."

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