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04.01.2002

14:40 Uhr

Marketing-Gag

Zweite Rabatt-Aktion von C&A verboten

Das Landgericht Düsseldorf hat der Bekleidungskette C&A auch einen generellen 20-prozentigen Rabatt bei allen Zahlungen untersagt.

Foto: dpa

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dpa-afx/dpa DÜSSELDORF. Das Gericht erließ am Freitag auf Antrag der Zentrale zur Bekämpfung unlauteren Wettbewerbs eine einstweilige Verfügung und drohte dem Konzern bei Zuwiderhandlung mit einem Ordnungsgeld von 250 000 ? (489 000 DM).

Am Donnerstag war C&A bereits der zur Euro-Einführung gewährte Rabatt bei Zahlungen mit ec- oder Kreditkarte verboten worden; woraufhin der Konzern die Preisnachlässe am Freitag auf Barzahlungen ausgeweitet hatte. Über den von der Wettbewerbszentrale ebenfalls gestellten Antrag, bereits ein Ordnungsgeld festzulegen, entschied das Landgericht noch nicht. Dazu solle erst C&A angehört werden, erklärten die Richter.

C&A will die Rabatte noch bis zum morgigen Samstag einräumen. "Wir haben uns für den Kunden entschieden und starten deshalb eine neue Preisaktion", hatte C&A-Sprecher Thorsten Rolfes gesagt. Damit antworte das Unternehmen auch auf viele positive Reaktionen. Ursprünglich galt der 20-prozentige Abschlag in der ersten Januar-Woche nur für bargeldloses Bezahlen in allen C&A-Häusern. Hierdurch wollte das Unternehmen lange Schlangen an den Kassen vermeiden und sicher gehen, das genügend Euro-Wechselgeld in den Kassen ist.

Die Zentrale zur Bekämpfung unlauteren Wettbewerbs sprach dagegen von einem klaren Verstoß gegen eine einstweilige Verfügung, die sie und der Verein zur Wahrung lauteren Wettbewerbs einen Tag zuvor gerichtlich durchgesetzt hatten. Durch die Ausweitung der Rabatte auf alle Kunden verstoße das Unternehmen gegen geltendes Sonderverkaufsrecht. Anerkannte Sonderveranstaltungen sind unter anderem Schluss- und Räumungsverkäufe oder Firmenjubiläen.

Auch der Hauptverband des Deutschen Einzelhandels (HDE) rügte die Aktion von C&A: Mit der befristeten Gewährung von Rabatten verstoße das Unternehmen klar gegen geltendes Recht, erklärte HDE-Sprecher Hubertus Pellengahr in Berlin. Diese Sonderaktion könnten Kunden nicht mehr von Schlussverkäufen unterscheiden. Pellengahr: "Es geht nur noch um Rummel."

Das Berliner Finanzministerium wollte sich zu dem gerichtlichen Streit nicht äußern und sprach von einem Einzelfall, dem man keine große Bedeutung beimesse. Im Zuge des Wegfalls des Rabattgesetzes sei eine Arbeitsgruppe eingesetzt worden, die den Markt ein Jahr lang beobachte. In diesem Zusammenhang geht es besonders um so genannten Sonderveranstaltungsrechte, die nach Ansicht von Verbraucherschützern dringend reformbedürftig sind. Sonderverkäufe stehen auch bei der Brüsseler EU-Kommission erheblich in der Kritik.

Der Fall C&A werde ein Treibsatz für die Reform der veralteten Sonderveranstaltungsrechte sein, sagte Manfred Dimper, Experte für Einzelhandelsfragen bei der Verbraucherzentrale Bundesverband in Berlin. Er bedauerte zugleich, dass Wettbewerbsschützer und hinter ihr stehende Konkurrenten von C&A gerichtlich gegen die Sonderrabatte eingeschritten seien. "Hierfür haben Verbraucher kein Verständnis".

Auch müsse man den "Marketing Gag" von C&A, der sich für das Unternehmen in jedem Fall auszahlen werde, auch vor dem Hintergrund des im vergangenen Jahres gefallenen Rabattgesetzes sehen. Es gehe um das Ausloten der Grenzen des Wettbewerbsgesetzes. Dimper räumte ein, dass C&A möglicherweise gegen geltendes Recht verstoßen habe. Aber auch Konkurrenten verletzten reihenweise Wettbewerbsrechte. Dimper: "Wer Augen hat der weiß, dass derzeit Vorschlussverkäufe stattfinden".

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