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09.01.2003

14:08 Uhr

Markt für außerbörsliche Unternehmensbeteiligungen leidet unter Schwäche der Weltwirtschaft

Private-Equity-Markt steckt in der Krise

VonUdo Rettberg

Der Markt für Private Equity (PE) leidet unter der Flaute der Weltwirtschaft. In den USA, dem größten Markt für diese außerbörslichen Unternehmensbeteiligungen, wiesen private Beteiligungsfonds das schlechteste Resultat seit rund zehn Jahren auf.

HB FRANKFURT/M. Per 30. Juni 2002 lag der von Thomson Venture Economics errechnete PE-Index um 16 % niedriger als zwölf Monaten vorher. Die Branche vermutet, dass sich die Ergebnisse der diesen Index ausmachenden 1400 PE-Fonds im zweiten Halbjahr nochmals leicht verschlechtert haben. Private Equity wird in Venture Capital (VC), Zwischenfinanzierungen und Unternehmenskäufe (Management Buyouts - MBO und Leveraged Buyouts - LBO) unterschieden.

Der PE-Markt hat seine Rolle als Kapitalquelle außerhalb der Börsen in den vergangenen Monaten nur unzureichend erfüllt. Grund: Das schwierige weltwirtschaftliche Umfeld und das zum Erliegen gekommene IPO-Geschäft. Die Anleger hielten sich mit der Kapitalzuführung in diese alternative Anlageklasse zurück, weil die Investmentrenditen enttäuschend ausfielen. "Es gibt keinen Grund, für das Jahr 2003 große Veränderungen zu erwarten", sagt Chris Davison von der Fachorganisation AltAssets in London.

Optimistischer ist Rolf Wickenkamp von CAM Private Equity in Köln. "Im Buyout-Bereich liegen die Bewertungen heute auf dem Niveau von 1993/94", begründet er seine Zuversicht. Noch wesentlich interessanter für Schnäppchenjäger sei der VC-Markt, da die Bewertungen hier noch attraktiver seien. Allerdings seien viele VC-Fonds derzeit noch mit "Aufräumungsarbeiten" beschäftigt, weist er auf die bestehenden Risiken hin.

Aktuelle Zahlen der britischen Fachorganisation AltAssets zeigen, dass die von Europas PE-Firmen aufgenommenen Gelder im Jahr 2002 um 28% auf 28,5 Mrd. $ gefallen sind. In den USA ist der VC-Markt nach Angaben der Fachorganisation VentureWire im Jahr 2002 weiter geschrumpft. Dortige VC-Finanzierer stellten privaten Unternehmen 2002 bei 2088 Finanzierungen 20,3 Mrd. $ zur Verfügung. Dies ist gegenüber 2001 mit 3226 Finanzierungen in Höhe von 37,7 Mrd. $ ein deutlicher Rückgang. Im Rekordjahr 2000 lag das Volumen der Wagniskapital-Finanzierungen in den USA bei ca. 100 Mrd. $. Rückläufig war das Geschäft auch bei Unternehmenskäufen (MBO/LBO). In den USA hatten die LBO-Fonds einen Mittelzufluss von 17 Mrd. $, das war etwa die Hälfte des Vorjahres.

Wichtigster Markt für PE-Finanzierungen sind die USA. Die weltweit größte private PE-Gesellschaft, The Carlyle Group, hat nach Angaben ihres Firmengründers David M. Rubenstein 78 % des in 23 PE-Fonds angesammelten Vermögens von rund 14 Mrd. $ am US-Markt investiert. Auf Europa entfallen 13 % und auf Asien 9 %. Die Wirtschaft in den Emerging Markets spiele bei PE-Finanzierungen eine nur untergeordnete Rolle, sagt Herman Dambach von Morgan Stanley. In diesen Ländern werde der Durchbruch noch fünf bis zehn Jahre auf sich warten lassen.

VC-Finanzierungen junger Unternehmen konzentrieren sich auf die Branchen Biotechnologie, Unternehmens-Software, Mobilfunk, Medizintechnik und Halbleiterindustrie. Anders ist die Kapital-Aufteilung bei MBO/LBO: Bei Carlyle, wo 66 % des Kapitals auf Finanzierungen von MBO- oder LBO-Transaktionen entfallen, wird in eher "alte Industrien" investiert: Automobil, Energie, Luftfahrt und Verteidigung, Transportwesen, Gesundheitswesen und Konsum.

In Fachkreisen wird die Entwicklung des PE-Marktes mit Sorge betrachtet. Dem Markt falle in diesen Zeiten der Kreditknappheit eine besondere Rolle zu. Dort wo Finanzierungsquellen für die Wirtschaft versiegen, unterbleiben Investitionen und gehen Arbeitsplätze verloren. "Es gibt einen zunehmenden Finanzierungszwang mit Hilfe von Private Equity, weil Banken wichtige Finanzierungen nicht mehr durchführen", sagt Dambach. Nicht zuletzt unter diesem Aspekt sei die Schrumpfung des Marktes ein alarmierendes Zeichen.

In Deutschland gebe es für PE- Transaktionen vor allem zwei Hauptquellen. Zunächst würden sich immer mehr Großkonzerne von Tochtergesellschaften trennen. "In der Großindustrie ist eine deutliche Refokussierung auf das Kerngeschäft zu beobachten", sagt Dambach, so dass hier immer wieder neue Buyout-Transaktionen zustande kommen. Als Enttäuschung bezeichnete Dambach allerdings die Entwicklung beim Eignerwechsel in Familienunternehmen. Hier sei das Volumen enttäuschend gering. "Viele Unternehmerfamilien sind zerstritten", nennt er als einen wesentlichen Grund.

Quelle: Handelsblatt

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