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19.04.2000

16:50 Uhr

Markt für Computer-Sicherheit wächst rasant - Auch Privatanwender als Zielgruppe

Aktien von IT-Polizisten bieten Kurschancen

Heimtückische Hacker und dreiste Datendiebe: Auch im Internet tummeln sich Kriminelle. Sicherheitssoftware ist daher gefragt. Experten prognostizieren enorme Wachstumsraten.

DÜSSELDORF. "Unsere Internetseite ist Opfer eines Hackerangriffs geworden. Wir versuchen gerade den Täter zu ermitteln und hoffen, bald wieder online sein zu können." Es ist nicht etwa ein unerfahrenes Jungunternehmen, das sich kleinlaut für die Nichterreichbarkeit seines Web-Angebots entschuldigt, sondern der legendäre US-Geheimdienst FBI. Macht schützt vor Internet-Banditen nicht: Mit raffinierten Viren, unsinnigen Anfragen oder geknackten Geheimwörtern machen die Gangster mobil - die Attacke aus dem virtuellen Raum kann jeden treffen. Die Schäden durch Angriffe auf Computersysteme haben sich 1999 mit einem Volumen von 530 Mill. DM im Vergleich zum Vorjahr verdoppelt - zu diesem Ergebnis kommt eine Studie, die ausgerechnet das Hackeropfer FBI vorlegte.

Angriff auf Yahoo

Für Aufsehen sorgte im Februar der Angriff auf den Rechner des Internet-Portals von Yahoo. Das System wurde innerhalb von Sekunden mit derartig viel Datenmüll überhäuft, dass die Website der weltgrößten Suchmaschine für drei Stunden von der Bildfläche verschwand. Auch die Aktie des Börsenlieblings ging vorübergehend auf Tauchstation.

Wer Papiere eines Unternehmens mit hohem E-Business-Anteil besitzt, mag wohl wegen der latenten Gefahr Angst kriegen. Freuen dürfen sich hingegen die Aktionäre von Unternehmen, die mit der Sicherheit im Internet ihr Geld verdienen. Denn deren Dienste werden angesichts der steigenden Bedrohung immer gefragter. 1999 investierten deutsche Großunternehmen rund 3,9 Mrd. DM für Sicherheitslösungen. Im kommenden Jahr erwarten Marktforscher von Meta Group bereits 6,5 Mrd. DM. "Ohne Sicherheitslösungen gibt es kein E-Business", erklärt Analyst Lars Slomka von ABN Amro. "Anbieter von effektiven Sicherheitslösungen sind daher sehr interessant."

Viele Aktien aus diesem Bereich sind allerdings sehr volatil - wie die meisten Internetwerte. Die Sicherheits-Aktien sind daher etwas für risikobewusste Anleger.

Sicherheit aus Lichtenfels

Für Furore sorgte Anfang des Jahres die Lichtenfelser Biodata (WKN 542 270). Bei ihrem Börsendebüt im Februar 2000 schoss die Aktie vom Ausgabekurs 45 Euro auf 240 Euro hoch - sicher auch begünstigt durch die gerade bekannt gewordenen Netzangriffe auf US-Großfirmen. Die Aktie des Anbieters von Sicherheitslösungen notierte zwischenzeitlich sogar bei 379 Euro, liegt mit 278 Euro zurzeit aber wieder deutlich darunter. ABN Amro sieht das Kursziel der Aktie bei 390 Euro. "Biodata verfügt über Schutz-Techniken, die auch bei großen Datenmengen mit hohen Geschwindigkeiten arbeiten - zum Beispiel bei Videokonferenzen." Kurspotential erhalte die Aktie außerdem durch die neue Software "Sphinx", die es ermöglicht auch einen einzelnen Rechner durch eine "Firewall" vor Datensabotage zu schützen. Derzeit verhandelt Biodata mit großen PC-Herstellern, die ihre Rechner direkt ab Werk mit der Software ausliefern sollen. Auch der Heimanwender könnte so zum Biodata-Nutzer werden und so persönliche Daten vor Netz-Piraten schützen.

Wachstumsfeld elektronische Unterschrift

Als starker Wachstumsbereich gilt auch die Public Key Infrastructure (PKI). Diese Technik ermöglicht es, dass Daten extrem sicher über das Netz übertragen werden. So soll auch eine rechtsgültige elektronische Unterschrift möglich werden. Ein ambitioniertes Unternehmen auf diesem Feld ist die Britische Baltimore Technologies (WKN 915 545), die als führend in Europa gilt und durch eine Akquisition auch auf dem US-Markt Fuß fasst. Erst gestern gab Baltimore zusätzlich eine Kooperation mit dem IT-Giganten Unisys bekannt. Die beiden Unternehmen wollen künftig gemeinsam sichere E-Business-Lösungen anbieten. Die Börse reagierte mit einem Kursplus von rund sechs Prozent. Derzeit notierte Baltimore aber immer noch deutlich unter seinem Höchstkurs. Bereits vor den Unisys-Nachrichten hatten Analysten von Lehman Brothers ihr Anlageurteil "Outperform" bestätigt. Auch Merrill Lynch und HSBC raten zum Einstieg. Als alternatives Investment gilt allerdings der US-Konkurrent Entrust (WKN 915 989).

Wer nicht nur in einzelne Aktien investieren will, kann auch zu einem Aktienkorb der Commerzbank greifen. Im "Internet Security Select Zertifikat" (WKN 137 815) sind elf Aktien von Internet-Sicherheitsfirmen vertreten. Der Emissionspreis beträgt 100 Euro, von denen 3,50 Euro als Provision an die Bank gehen. Die Zeichnungsfrist endet am 3. Mai 2000

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