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12.02.2001

14:48 Uhr

Markt in Westeuropa seit mehreren Jahren gesättigt

Conti baut Konzern um - Käufer für Contitech gesucht

Nach dem Verkauf sollen nur noch zwei Contitech-Bereiche mit 2 400 von insgesamt 16 400 Beschäftigten im Konzern bleiben. Zudem soll die Produktion von Lkw-Reifen in Belgien eigestellt werden.

Reuters HANNOVER. Der Autozulieferer Continental will mit dem Verkauf der Sparte Contitech und gleichzeitigem Erwerb von Autozulieferern seinen Umbau beschleunigen und prüft zudem die Einstellung der Produktion von Lkw-Reifen in Belgien. Der Vorstand habe den Aufsichtsrat am Montag von den Plänen über einen Verkauf der Contitech informiert, teilte das Unternehmen mit. Danach sollen nur noch zwei Contitech-Bereiche mit 2 400 von insgesamt 16 400 Beschäftigten im Konzern bleiben. Einen Käufer gebe es noch nicht. Der Erlös solle der Finanzierung weiterer Zukäufe in der Conti-Wachstumssparte dienen. Dazu hieß es aus Conti Conti-Kreisen, stehe kurz vor der Übernahme der Mehrheit an der Elektronikfirma Temic, einer Tochter der Daimler-Chrysler. Überprüfen will Conti die Produktion von Lkw-Reifen im belgischen Herstal, wodurch rund 670 Arbeitsplätze wegfallen könnten.

Der Contitech-Verkauf wurde vom Aufsichtsrat noch nicht förmlich beschlossen. Er sei aber akzeptiert worden, hieß es in Unternehmenskreisen nach der Sitzung. Die Arbeitnehmerseite habe einen Verbleib der insgesamt rentablen Sparte im Konzern befürwortet, wolle aber den Verkauf konstruktiv begleiten. Eine offizielle Stellungnahme von der Arbeitnehmerseite, die die außerordentliche Sitzung des Kontrollgremiums durchgesetzt hatte, war am Montag nicht zu bekommen.

Für die Mehrzahl der Contitech-Bereiche mit 14 000 Mitarbeitern und 1,4 Mrd. DM Umsatz werde nun ein Käufer gesucht, der das Unternehmen komplett erhalten und erfolgreich weiterführen werde, teilte Conti mit. Dieser Bereich der technischen Kautschuk-Produktion stellt unter anderem Profile, Schläuche oder Förderbänder her, die der Conti-Vorstand nicht mehr zur Kernproduktion des Konzerns zählt.

Behalten möchte Conti für die Autozuliefer-Sparte von Contitech die beiden Bereiche Luftfedern und Vibration Control mit 2700 Mitarbeitern und 310 Mill. Euro Umsatz. Die Suche nach einem Käufer werde jetzt zügig betrieben, hieß es weiter. Es gebe mehrere Interessenten. Namen seien im Aufsichtsrat aber nicht genannt worden, hieß es aus den Kreisen. Der Verkauf von Contitech könne möglicherweise noch in der Hauptversammlung im Mai von den Aktionären bestätigt werden.

Zu den nach inoffiziellen Angaben derzeit laufenden Verhandlungen über Zukäufe für die Sparte Automotive Systems erklärte Conti am Montag lediglich erneut, es gehe Akquisitionen in den Bereichen Fahrzeugelektronik und elektronische Lenkung und Dämpfung. Wie Reuters aus Unternehmenskreisen erfuhr, erklärte Vorstandschef Stephan Kessel im Aufsichtsrat, dass die Gespräche mit Daimler-Chrysler über die Nürnberger Tochter Temic bereits sehr weit fortgeschritten seien. Der Aufsichtsrat habe am Montag für den Fall erfolgreicher Verhandlungen grundsätzlich seine Zustimmung zu der Akquisition signalisiert, hieß es aus den Kreisen.

Geplant ist den Angaben nach, dass Continental den Hersteller von Fahrzeugelektronik zunächst zu 60 % übernehme, mit der Option auf einen späteren vollständigen Erwerb. Der genaue Kaufpreis stehe aber noch nicht fest. Kessel sei zuversichtlich, dass bereits in wenigen Wochen eine Einigung möglich sei. Die Temic Telefunken Microelektronik GmbH machte zuletzt mit weltweit zehn Standorten und rund 5500 Beschäftigten etwa eine Milliarde Euro Jahresumsatz. Bereits ein Drittel ihrer Produktion liefert sie an die Conti-Tochter Teves (Frankfurt/Main) für Anti-Blockier-Systeme (ABS) der Bremsen und das Elektronische Stabilitätsprogramm. Keine Rolle spielten am Montag die nach inoffiziellen Angaben ebenfalls laufenden Gespräche über einen Erwerb des Schweinfurter Stoßdämpfer-Herstellers Sachs.

Im Zuge einer Neuausrichtung seiner Lkw-Reifenproduktion prüft Conti zudem die Einstellung der Produktion in seinem belgischen Werk Herstal. Dies sei den 777 Mitarbeitern am Montag in einer außerordentlichen Betriebsversammlung mitgeteilt worden, gab Conti bekannt. Von einer Schließung wären 677 Beschäftigte betroffen. Rund 100 Mitarbeiter könnten durch andere Aktivitäten gehalten werden, hieß es. Der Markt für Lkw-Reifen in Westeuropa sei seit mehreren Jahren gesättigt, was einen starken Wettbewerbs- und Preisdruck in dieser Sparte zur Folge habe, teilte Conti mit. Das Werk Herstal habe wiederholt rote Zahlen geschrieben und sei mit einer Jahreskapazität von 700 000 Reifen zu klein, sagte ein Sprecher. Die Kapazität der Produktion aus Herstal würde im Falle einer Einstellung an anderen Conti-Standorten, unter anderem in Osteuropa, übernommen gebe.

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