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06.01.2002

14:28 Uhr

Marktreaktionen werden erwartet

China will Euro in Währungskorb aufnehmen

China will verstärkt den Euro als Reservewährung halten. Eine Aufnahme in den Währungskorb des Landes kündigte der chinesische Finanzminister Xiang Huaicheng am Sonntag nach einem Gespräch mit seinem Amtskollegen Hans Eichel in Schanghai an.

dpa SCHANGHAI. Es sei "deutlich geworden, dass der Euro gerade in diesen Tagen immer stärker geworden ist", sagte Xiang. Er werde den Entscheidungsträgern in der chinesischen Verwaltung empfehlen, "dass man möglichst auch Euro einkaufen soll".

Experten rechneten mit entsprechenden Marktreaktionen, da China über große Währungsreserven verfügt. So geht der Internationale Währungsfonds (IWF) für das laufende Jahr von 201,7 Milliarden Dollar aus. Das entspricht knapp 227 Milliarden Euro oder 444 Milliarden DM. Jedes Land verfügt wegen der internationalen Verflechtungen über Währungsreserven in möglichst starken Währungen wie dem Dollar. Eichel sieht den Euro sehr bald als Reservewährung neben dem Dollar. Er hob die besondere Bedeutung Chinas als politischem und wirtschaftlichem Partner Deutschlands hervor. China und vor allem auch Schanghai im Südosten hätten ein großes Entwicklungspotenzial. Im Jahr 2000 seien 135 Projekte in China mit Bundesbürgschaften (Hermes) bewilligt worden. "Das werden wir fortsetzen", betonte Eichel.

Der chinesische Finanzminister sagte: "Ich bin der Ansicht, dass der Euro zwangsläufig eines Tages den gleichen Stellenwert haben wird wie der US-Dollar." Das sei auch bedingt durch die starke Wirtschaftskraft der Euro-Zone.

Euro als zweite Reserve-Währung

Eichel hatte bereits am Samstag auf seiner Reise, die ihn an diesem Montagabend nach Hongkong und am Dienstag nach Teheran führen wird, die positiven Wirkungen der Euro-Bargeldeinführung betont. Die europäische Gemeinschaftswährung werde ein Erfolg. Der Euro werde zwar auf absehbare Zeit den US-Dollar als dominierende Welt-Währung nicht verdrängen können. "Aber er wird als zweite Reserve-Währung schon bald gleichberechtigt neben den Dollar treten." Auch führende deutsche Wirtschaftsforscher zeigten sich nach der weitgehend reibungslosen Einführung des Euro-Bargeldes optimistisch über die Stabilität der europäischen Währung.

Eichel kündigte an, dass er zusammen mit Wirtschaftsminister Werner Müller schon bald auch den vergleichsweise ärmeren Westen Chinas bereisen und nach Hilfemöglichkeiten sondieren will. Vorstellbar seien entsprechende Entlastungen über Hermes- Bürgschaften. Beide Minister wollen laut Eichel deutsche Unternehmen für ein verstärktes Engagement für den chinesischen "Aufbau West" gewinnen.

Ifo-Institut rechnet mit einem deutlichen Anstieg

Zur Währungsdiskussion sagte der Präsident des Münchner Ifo- Instituts für Wirtschaftsforschung, Hans-Werner Sinn: "Wir gehen davon aus, dass der Eurokurs in den nächsten drei Jahren deutlich ansteigen wird." Nach Einschätzung des Chefs des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Klaus Zimmermann, ist mittelfristig sogar ein Anstieg des Euro-Kurses über die Dollar-Parität möglich. Bedingung dafür sei aber, dass sich die Wirtschaft in Euroland wieder erhole. Ähnlich äußerten sich auch Experten des Kölner Instituts der Deutschen Wirtschaft (IW) und des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung (RWI). "Ende 2003 sollte der Euro-Kurs bereits leicht über einem Dollar liegen", hieß es im RWI. Etwas pessimistischer zeigte sich das Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW). Dort sehen Experten den Euro in zwölf Monaten bei 94 Cent.

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