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18.06.2000

19:00 Uhr

Marktumfeld bleibt schwierig

Analysten sehen Eon positiv

Durch die Fusion entsteht in Deutschland der zweitgrößte Energie-Konzern, hinter RWE/VEW. Auch profitieren Eon wesentlich stärker von der Einigung als RWE, ist Stephan Wulf von M.M. Warburg überzeugt, da der Konzern stärker von der Kernenergie abhänge.

pbs FRANKFURT/M. Die Vereinbarungen zum Atom-Konsens in der vergangenen Woche stellen aus Sicht von Analysten ein positives Signal für den Kapitalmarkt dar. In der Nacht zum vergangenen Donnerstag hatten sich die Bundesregierung mit den Kraftwerk-Betreibern auf einen Ausstieg aus der Kernenergie geeinigt.

Eon profitieren wesentlich stärker von der Einigung als RWE, ist Stephan Wulf von M.M. Warburg überzeugt, da der Konzern stärker von der Kernenergie abhänge. RWE dagegen gewinne Energie in erster Linie aus Kohle.

Jetzt richte sich der Blick bei der Beurteilung der Zukunftsperspektiven verstärkt auf das Thema Fusionsphantasien und neue Wachstumsstrategien, heißt es bei der Bankgesellschaft Berlin. Eon, der aus Veba und Viag hervorgegangene neue Versorger, befindet sich Beobachtern zufolge in intensiven Verhandlungen mit dem französischen Konzern Suez Lyonnaise des Eaux. Eon äußert sich jedoch nicht selbst zu Fusions-Absichten. RWE führt Gespräche mit Vivendi - nach eigenen Angaben unter der Devise "Jeder spricht mit jedem".

Eon wird von Jörg Natrup von der WGZ-Bank zum Kauf empfohlen. Durch die Fusion entsteht in Deutschland der zweitgrößte Energie-Konzern, hinter RWE/VEW. Europaweit wird Eonn an vierter Stelle liegen. Die Aktie könne auf 68 Euro steigen, meint M.M.Warburg-Stratege Wulf.

UBS Warburg, die Eon sogar stark zum Kauf empfehlen (strong buy), nennen ein Kursziel von 76 Euro. Zum Wochenende lag der Kurs von Veba bei rund 56 Euro, Viag notierten mit etwa 22 Euro. Am Montag wird Eon zum ersten Mal an der Börse gehandelt. UBS Warburg geht davon aus, dass Eon ein Gewicht von rund 4,21 % im Deutschen Aktienindex (Dax) einnehmen wird.

Analysten schätzen, dass durch Synergie-Effekte Kosten in Höhe von rund 800 Mill. Euro jährlich, ab dem Jahr 2002, gespart werden können. Auf den Bereich Energie entfielen allein 700 Mill. Euro. Jeweils 50 Mill. Euro könnten in den Bereichen Chemie und durch die Zusammlegung der Holding eingespart werden, sagt Wulf. Die einmaligen Kosten der Fusion beziffert er mit rund 475 Mill. Euro. Generell zeigten sich Analysten von den Fusions-Auflagen der EU Kartellbehörden nicht überrascht. Sie seien nicht als Belastung zu werten.

Weniger optimistisch ist dagegen Jörg Natrop von der WGZ-Bank. Er erwartet, dass sich Eon nur durchschnittlich mit dem Markt entwickeln wird und hat die Aktie als "Marketperformer" eingestuft. Einerseits würden durch den Verkauf von E-Plus und cablecom rund 4,3 Mrd. Euro als Buchgewinne entstehen. Andererseits geht er davon aus, dass die Strompreise auch in diesem Jahr weiter sinken - wodurch die Margen weiter fallen würden.

Verhalten optimistisch zeigen sich Experten gegenüber RWE. UBS Warburg stuft die Aktie mit "Halten" ein. Die Auflagen zur Fusion RWE/VEW seien härter als im Fall Veba/Viag. Die Entscheidung der Kartellbehörde wird für den 10. Juli erwartet. Es sei schlecht, dass sich nach der Fusion rund 35 % der Aktien in Händen der Kommunen befinden, gibt UBS Warburg zu Bedenken. Das könnte die Restrukturierung behindern. Außerdem sei unklar, auf welche Bereiche sich RWE in Zukunft fokussieren werde. Zur Zeit stünde nur das Chemiegeschäft auf der Verkaufsliste. Dagegen scheine man beim Verkauf der Beteiligung an Heidelberger Druck und Hochtief das Ergebnis der Steuerreform abwarten zu wollen.



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